Jinka II (2023)

Bau von 3 Klassenräumen und 1 Lehrerzimmer

Standort:

Jinka II (Äthiopien/Afrika)

Projektparter vor Ort: Omo Child Äthiopien Austria

Land, Region

Südwesten Äthiopiens, 900 km bzw. 2,5 Tagesfahrten von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt, im Busch, im Stammesgebiet der Hamar und Kara

Allgemeiner Hintergrund zum Projektland

1975 wurde die konstitutionelle Monarchie mit dem Kronrat von Abessinien als Parlament in Äthiopien abgeschafft. Nach einer Übergangszeit mit Umbau zur sozialistischen Volksrepublik ist Äthiopien seit 1991 eine föderale Republik, die 1995 durch die Verfassung bestätigt wurde.

Der Staatspräsident wird vom Parlament gewählt und hat vorwiegend repräsentative Aufgaben. Der eigentliche Regierungschef ist normalerweise Vertreter der stärksten Partei im Parlament und ernennt die Mitglieder des Ministerrats. Das Parlament besteht aus zwei Kammern: dem Bundeshaus mit 198 Sitzen und dem Volksrepräsentantenhaus mit 548 Sitzen, deren Mitglieder direkt vom Volk für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt werden.

Die höchste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof in der Hauptstadt Addis Abeba, daneben wacht der Verfassungsrat über die Einhaltung der Bundesverfassung.

Die stark aufstrebende Wirtschaftsleistung Äthiopiens wies im Jahr 2015 mit 10,2 Prozent das höchste Wirtschaftswachstum der Welt auf, bei jährlichen Wachstumsraten zwischen acht und zwölf Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Dadurch konnten zwar Fortschritte in der Armutsbekämpfung und beim Infrastruktur-Ausbau erreicht werden, ein signifikanter Teil der Bevölkerung lebt allerdings weiterhin unterhalb der absoluten Armutsgrenze.

Der Außenhandel Äthiopiens besteht im Wesentlichen aus dem Export von Kaffee, wobei Deutschland der größte Abnehmer ist. Der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt sank allerdings in den letzten Jahren zugunsten eines stark wachsenden Dienstleistungssektors. Aufgrund der an vielen Stellen für die Energieerzeugung vorteilhaften äußeren Bedingungen stehen die Zeichen günstig, Äthiopien zu einem Großexporteur sauberer und kostengünstiger erneuerbarer Energie zu machen. Die im Land reichlich vorhandenen fossilen Energieträger wie Kohle oder Erdgas werden hingegen kaum genutzt. Zum Wirtschaftswachstum trug bis zur COVID Pandemie auch die aufstrebende Tourismusbranche in Äthiopien bei, die die vielen touristischen Sehenswürdigkeiten im Land erschließt und vermarktet und 5,5 % des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftete.

Durch die COVID-Pandemie sowie die Kriege im Norden Äthiopiens sowie in der Ukraine hat sich die ökonomische Lage im Land derzeit deutlich verschlechtert. Im Projektgebiet im Süden des Landes wirkt sich dies durch gestiegene Preise und einem Rückgang der Tourismuseinnahmen aus.

Hintergrund zum Projekt und aktuelle Herausforderungen

Die South Omo Zone ist eine kulturell reiche, stark diversifizierte Gemeinschaft. Die Bevölkerung lebt überwiegend in Hirtenstämmen. Bisher hat sie nur wenig Aufmerksamkeit und Unterstützung seitens der Regierung in Bezug auf grundlegende Dienstleistungen wie Schulen und Gesundheitsversorgung erfahren.

Das Projekt konzentriert sich auf 35-40 Dörfer in der Süd-Omo-Zone mit einer Bevölkerung von rund 75.000 Menschen, die den Stämmen Hamar, Kara, Benatsemay (Bena) und Arbore angehören

Nur 20 % der Kinder in der South Omo Zone schließen die Grundschule ab. Bei Mädchen ist die Quote sogar deutlich niedriger und auf unerträglich niedrigem Niveau. Die Gründe sind vielfältig:
• Familien verstehen den Wert von Bildung nicht
• Kinder sind es gewohnt, zu Hause zu arbeiten, Wasser zu tragen oder Tiere zu hüten
• Die frühe Heirat junger Mädchen wird als Einkommensquelle angesehen
• Die Weitläufigkeit und Abgeschiedenheit der Dörfer, insbesondere bei den Hamar und Bena Stämmen, schränkt den Zugang von Kindern zu Schulen ein

Aufgrund mangelnder Bildung praktizieren die Stämme dort immer noch furchtbare Traditionen, wie Mingi oder körperliche Gewalt (z. B. Auspeitschen). Außerdem schränken die klimatischen Bedingungen und der Mangel an Infrastruktur den Zugang zu sauberem Wasser für Schulen und Gemeinden ein, was z.B. den Mingi-Aberglauben noch verstärkt („die verfluchten Kinder verursachen Dürre“).



Es gibt 4 Arten von Mingi-Kindern:
- Kinder, deren Oberzähne sich vor den unteren Zähnen entwickeln
- Kinder, die aus einer Schwangerschaft oder Ehe entstanden sind, die von den Stammesältesten nicht abgesegnet wurde
- Uneheliche Kinder
- Kinder, die als Zwillinge geboren werden

Sobald eine dieser Mingi-Arten auf ein Neugeborenes oder Kleinkind zutrifft, muss dieses Kind sterben und wird im Busch ausgesetzt, wo es verhungert oder verdurstet – oder es wird ertränkt. Jährlich fallen rund 200 bis 300 Kinder diesem grausamen Aberglauben zum Opfer.

Besonders tragisch am Schicksal der Mingi-Kinder ist, dass es sich um die Tötung von unschuldigen, gesunden Neugeborenen oder Kleinkindern handelt, die teilweise bereits 1 Jahr alt sind, bevor sie als Mingi Kinder deklariert und somit zum Tode verurteilt werden.

Lale Labuko ist Mitglied des Kara Stammes und Gründer der Hilfsorganisation „OMO Child Ethiopia“. Seine beiden Schwestern fielen ebenfalls dem Aberglauben zum Opfer. Aufgrund seiner Anstrengungen hat sein Kara Stamm bereits den Mingi Aberglauben abgelegt. Aber es gibt immer noch Stämme, die daran glauben.

Es gelingt trotz intensiver Bemühungen von Lale Labuko und seinem Team nicht, alle Stämme davon zu überzeugen, von den Kindstötungen abzulassen. Daher muss eine neue Strategie her: nämlich die nächsten Generationen der Stammesangehörigen zu überzeugen – und das kann nur durch Bildung gelingen.

Allerdings müssen dazu die Kinder, die im Busch im Stammesverband leben, erreicht werden. Aber diesen Kindern ist der Schulbesuch nicht möglich, wie in den vielen oberen Punkten aufgeführt.

Die neue Strategie ist, Schuleinheiten direkt im Busch zu bauen und Anreize, wie Schulspeisung, Übernachtungsmöglichkeit und medizinische Versorgung für die Eltern und Häuptlinge zu schaffen, damit diese die Kinder zur Schule schicken.

FLY & HELP hat im Jahr 2019 bereits eine Schule von Lale Labuko gefördert und dort 6 Klassenräume finanziert. Das Projekt läuft sehr erfolgreich.

Projektmaßnahmen/Projektbeschreibung

• Block mit 3 Standardklassen und einem Lehrerzimmer
• Komplett möbliert und Bereitstellung von Lernmaterialien
• Lehrerausbildung und Qualitätskontrolle unter Leitung von OMO Child Jinka

Fördervolumen: 58.000 Euro

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