Sorgo (2020)

Bau von drei Klassenräumen, Latrinen, Lehrerunterkünften, Küche

Standort:

Sorgo (Burkina Faso/Afrika)

Projektpartner vor Ort: Help - Hilfe zur Selbsthilfe e.V. 

Hintergrund:

Burkina Faso stand bis 1960 unter französischer Kolonialherrschaft, hieß von Beginn der Unabhängigkeit bis 1984 Obervolta, und zählt zu den ärmsten Ländern der Welt (2017 Platz 183 von 189 des Human Development Index der VN). Das Land hat etwa 20 Millionen Einwohner; mehrheitlich muslimischen Glaubens. Die Alphabetisierungsrate liegt bei 36%, die Arbeitslosenrate bei knapp über 50%. Es gibt 60 gesprochene Sprachen und dementsprechend auch 60 verschiedene Ethnien, die in Burkina Faso trotz kultureller und religiöser Unterschiede friedlich miteinander leben. Die Amtssprache ist Französisch, das Hauptmerkmal, dass die Kolonialmacht hinterlassen hat. 

0,80 % der Bevölkerung leben laut Landesstatistik mit HIV/Aids, die Dunkelziffer ist unbekannt. Auch viele andere Erkrankungen beeindrucken das Leben der Menschen, wie z.B. Malaria, chronische Mangelerscheinungen durch Unterernährung, Asthma und viele andere Krankheiten. Viele der Kranken haben kein Geld, um sich die bereits verbilligten Medikamente zu leisten. Armut ist in Burkina Faso ein großes Problem. Krankheiten bedeuten für die Familien immer existentielle Bedrohungen, da die Kosten für Medikamente und Behandlungen im relativen Verhältnis zum Einkommen sehr hoch sind. 

Die meisten burkinabéischen Familien haben viele Kinder, durchschnittlich 4-6. Die Familien finanzieren sich zum größten Teil aus Landwirtschaft und bäuerlichen Kleinbetrieben. Dies ermöglicht jedoch kein hohes Einkommen, so dass die Mehrzahl der Familien große finanzielle Probleme hat, um das normale Leben mit den täglichen existentiellen Bedürfnissen zu meistern. Selbst die Ernährung hält sich auf einem niedrigen Niveau von durchschnittlich 2 Mahlzeiten am Tag, in Krisensituationen wie einer Dürre sogar nur einer oder keiner Mahlzeit. Im Durchschnitt gehen 1/3 Kindern in die Schule. 

Wenn ein Familienmitglied krank wird, greift man meist zu traditionellen Medikamenten, um die Krankheit zu kurieren, da die pharmazeutischen Medikamente – nahezu immer aus Europa importiert – viel zu teuer sind. So kostet ein Antibiotikum gegen Typhus z.B. genauso wie in Deutschland bis zu 12 Euro, bei einem Durchschnittseinkommen von 40-50 Euro monatlich kaum zu schaffen. 

Besonders wenn ein Elternteil chronisch oder tödlich erkrankt, steht die gesamte Familie vor einer existentiellen Krise. Da der größte Teil der Bevölkerung auf dem Land wohnt, ist es sehr schwierig für die meisten, einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen.  

Ähnlich schwerwiegend für die Familie ist der Fall der eintretenden Arbeitslosigkeit. Oft werden die Kinder dann sofort aus der Schule genommen, um in die Einkommenssituation integriert zu werden. Die Bildungssituation in Burkina Faso ist allgemein schlecht, insbesondere in ländlichem Gebiet.  

Unser Projektpartner ist bereits seit zehn Jahren in Burkina Faso tätig, pflegt eine regen Austausch mit staatlichen Behörden und hat bereits einiges bewegt, wie zum Beispiels die Einführung eines Gesundheitssystems, das durch die Regierung unterstützt wird, indem die medizinische Versorgung von Kindern unter 5 Jahren und Müttern in ausgewählten Gebieten erstattet wird. 

Bildungssituation in Burkina Faso: 

Grundschulbildung bildet auch in Burkina Faso den Einstieg in das Bildungssystem. Kinder erlernen grundlegende Fertigkeiten, wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Der Zugang zu Bildung ist entscheidend, um die Armut im Land langfristig zu reduzieren. Eine ausreichende Anzahl an Schulen und Lehrern ist notwendige Voraussetzung dazu. Durch das starke Bevölkerungswachstum von 3,1 Prozent pro Jahr, die hohe Armutsrate und die Mittelknappheit ist das staatliche Schulsystem in Burkina Faso jedoch einer dauerhaften Herausforderung ausgesetzt.  

Da der Staat nicht genügend Schulen errichten kann, werden in einigen Dörfern Behelfsschulen, sogenannte « école sous paillotte », übersetzt bedeutet das in etwa Strohhüttenschulen, durch das Engagement der Dorfbewohner, eingerichtet. Im Jahr 2016 waren 4.000 dieser écoles sous paillotte registriert.  

Aufgrund von Armut, Distanz oder soziokulturellen Faktoren sind 16,3 Prozent der burkinischen Kinder vom Bildungssystem ausgeschlossen und gehen nicht zur Schule (Erhebungen aus dem Jahr 2015). Aus ähnlichen Gründen brechen über 40 Prozent der eingeschulten Kinder die Grundschule vor Beendigung ab. 

Das staatliche Programm Burkina Fasos für ökonomische und soziale Entwicklung, das den Referenzrahmen für die Strategie zur Entwicklung des Landes von 2016-2020 vorgibt, beinhaltet das strategische Ziel die «Steigerung des Bildungsangebots und Verbesserung der Bildungs- und Ausbildungsqualität im Einklang mit dem Bedarf der wirtschaftlichen Entwicklung». Eine angestrebte Wirkung bezüglich dieses Ziels ist, dass der Zugang zu einer Bildung von guter Qualität für alle verbessert ist. Dieses Ziel konkretisiert sich darin, dass sich die Rate der Kinder, die ihre Grundschulbildung (in Burkina Faso 6 Jahre) abschließen, von 58,5 Prozent (2015) auf 75,6 Prozent (2020) erhöht, dass Parität zwischen den Geschlechtern in den Schulen besteht und dass alle Behelfsschulen in staatliche Schulen umgewandelt werden.  

Das vorliegende Projekt soll durch die Bauarbeiten von einer „école sous paillotte“ in eine richtige Schule, die den nationalen Standards entspricht, umgewandelt werden und so die Zielsetzung des nationalen Programms unterstützen. 

Es ist sichergestellt, dass durch den Staat ausreichend Lehrer zur Verfügung gestellt werden. 

Die Schule liegt im Dorf Sorgo, ca. fünf Kilometer vom Hauptort der Gemeinde Bassi und 23 Kilometer von der Provinzhauptstadt Gourcy entfernt in der Provinz Zondoma, Verwaltungsregion Nord. Das Dorf hat 1.029 Einwohner (483 männlich und 546 weiblich). In Anlehnung an die Volkszählung von 2006 und in der Annahme einer gleichbleibenden Bevölkerungspyramide beträgt der Anteil der Kinder unter 15 Jahren 48 Prozent der Bevölkerung, also ca. 500 Personen. 

Die provisorische Schule hat 4 Klassen, die jeweils von einer Lehrkraft (darunter eine Frau) geführt werden und von 223 Schülern besucht werden, davon 123 Mädchen und 100 Jungen. Die Verteilung der Klassen ist wie folgt:

Das burkinische Bildungssystem hat normalerweise 6 Grundschuljahrgänge (CP 1, CP2, CE 1, CE 2, CM 1, CM 2). Aufgrund der Tatsache, dass die Schule nicht der Norm entspricht, wurden in Sorgo in den vergangenen Jahren nur alle 2 Jahre Einschulungsklassen gestartet.

Ein Kind im Einschulungsalter muss also unter Umständen bis zum kommenden Jahr warten, um in die erste Klasse zu kommen. Im letzten Einschulungsjahr war allerdings so viel Bedarf, dass eine CP1-Klasse außer der Reihe eingeschult wurde, was allerdings von den vorhandenen Gebäuden nicht absorbiert werden konnte und kann. 

Der Unterricht findet in einer Schule mit drei unfertigen Klassenräumen unter schwierigen Bedingungen statt. So ist zum Beispiel das Dach instabil und die Eltern mussten mehrfach zusammenlegen, um es provisorisch zu reparieren, nachdem es von Stürmen abgedeckt worden war. 

Die Lehrerwohnungen sind lokale Lehmbauten, die ebenfalls instabil sind, was eine Gefährdung bzw. erschwerte Arbeitsbedingungen bedeutet. 

Die Schüler der 3. Klasse haben gar keinen Klassenraum und ihr Unterricht findet unter einem von Eltern zusammengezimmerten Strohdach statt, das nach jedem Unwetter neu aufgebaut werden muss.

 Es fehlen Tische und Bänke, sodass manche Zweiersitze von vier bis fünf Schülern gleichzeitig belegt werden. Zurzeit können daher nicht alle Schulanmeldungen berücksichtigt werden. Ebenfalls fehlt es an Schränken zur geeigneten Lagerung des Schulmaterials, der Bücher und Hefte. Schulbücher sind nicht genügend vorhanden. 

Latrinen sind ebenfalls nicht vorhanden, was ein großes Hygieneproblem darstellt. Darüber hinaus gibt es keine Trinkwasserversorgung. Ein Brunnen mit Solarpumpe ist zwar vorhanden, aber aufgrund von nötiger und teurer Reparatur kann dieser nicht instand gesetzt werden.

 Projektmaßnahme: 

Nach Priorität geordnet werden folgende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vorgeschlagen:

1) Bau einer Schule mit 3 Klassen sowie Schüler- und Lehrerlatrinen

2) Bau von 6 Lehrerunterkünften

3) Reparatur der Solarpumpe bzw. Anbringen einer manuellen Pumpe für den Brunnen

4) Ausstattung mit dem nötigen Mobiliar

5) Anschaffung von Lesefibeln

Fördervolumen: 87.312 Euro

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Bau von drei Klassenräumen, einem Lehrerzimmer, einem Lagerraum, sowie eines Brunnens und eines Toilettenhauses

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