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San Andres (2021)

Bau von fünf Klassenräumen und einem Medienraum

Standort:

San Andres (Kolumbien/Südamerika)

Projektpartner vor Ort: We-Building e.V.

Hintergrund:

Ähnlich wie in vielen anderen Ländern Lateinamerikas ist in Kolumbien das Versagen der öffentlichen Ordnung, Mangel an Institutionen, Gewalt und schlechte Lebensbedingungen verantwortlich für die Landflucht.

Die Ungleichheit der wirtschaftlichen Entwicklung ist im ganzen Land mehr als doppelt so hoch wie im OECD-Durchschnitt. Nur ein Viertel der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten, davon sind fast 31,5% der ländlichen Kolumbianer jünger als 15 Jahre. Diese regionalen Unterschiede werden durch die Topografie des Landes beeinflusst, die die Verbindungen zwischen Regionen ohne effiziente Infrastruktur einschränkt.

Allein in Putumayo sind so 146.000 Einwohner auf zusätzliche Hilfe angewiesen. Eines der vorrangigen Ziele ist die Entwicklung der ländlichen Bevölkerung durch Bildung. Im nationalen Entwicklungsplan (PND) wurde das übergeordnete langfristige Ziel festgelegt, die Lücken im Zugang und in der Qualität zur Bildung, zwischen Einzelpersonen, Bevölkerungsgruppen und zwischen Regionen zu schließen, um das Land auf ein hohes internationales Niveau zu bringen und Chancengleichheit für alle Bürger zu erreichen.

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist außerdem von den Auswirkungen des historischen bewaffneten Konfliktes und der Kontinuität der Gewaltdynamik weiterhin betroffen. Eines der Hauptziele besteht deshalb darin, die Bemühungen auf die Wiederherstellung von Gemeinschaften, insbesondere die der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie den Indigenen, zu konzentrieren, die in der Vergangenheit besonders vom Staat vernachlässigt wurden (HRP UNOCHA 2019).

Es geht darum, die Verbindung zwischen humanitären, friedensfördernden und Entwicklungsinitiativen herzustellen, um die Regionen langfristig zu stabilisieren. Im Friedensabkommen mit der FARC selbst ist die Verbesserung der öffentlichen Dienste und der Infrastruktur in ländlichen Gebieten im Rahmen eines Programms und ein umfassendes Reformprogramm für den ländlichen Raum vorgesehen. Der Plan für die ländliche Bildung fordert die Gewährleistung einer allgemeinen Schulbildung unter ganzheitlicher Berücksichtigung der frühen Kindheit, den Bau, den Wiederaufbau, die Verbesserung und die Anpassung der ländlichen Bildungsinfrastruktur, einschließlich der Verfügbarkeit und Dauerhaftigkeit qualifizierten Lehrpersonals.

San Andres befindet sich im Süden Kolumbiens im Bezirk Santiago des Distriktes Putumayo. Der Distrikt Putumayo liegt an der südlichen Grenze zu Ecuador an den Ausläufern der zentralen kolumbischen Gebirgskette in der Amazonas Region.

Die Schule in San Andrés steht, neben den bereits erwähnten Schwierigkeiten, vor einer noch viel größeren existenziellen Herausforderung: Das bisherige zweigeschossige Hauptgebäude der Schule, das gleichzeitig das Schulgelände von der Straße des Ortes trennte, musste aus Sicherheitsgründen im Februar 2019 evakuiert und abgerissen werden. Die Statik des Gebäudes war nicht für die Lasten des später aufgesetzten oberen Geschosses ausgelegt. Auf dem Gelände entstand so eine große Lücke, die noch nicht geschlossen werden konnte.

Die Schule selbst wird zwar von öffentlicher Hand getragen, die Mittel reichen jedoch gerade für die Bezahlung der Lehrkräfte. Die staatliche Finanzierung eines Neubaus ist in der nahen Zukunft nicht absehbar.

Die zur Verfügung stehenden Kapazitäten in den verbleibenden Gebäudeteilen sind nun sehr eingeschränkt, da 70% der Räumlichkeiten verloren gegangen sind. Der Schulleiter ist gezwungen außerhalb der Schule private Räumlichkeiten anzumieten, um den Schulbetrieb für alle Schüler aufrechtzuerhalten.

So haben die Schüler aus San Andrés gegenwärtig kein zentrales Schulgebäude mehr, um unterrichtet zu werden. Sie müssen in den Räumen benachbarter Häuser untergebracht werden, die nicht für den Lehrbetrieb vorgesehen sind. Die Überbelegung der kleinen Räume erschwert den Unterricht erheblich. Darüber hinaus zahlt der Direktor der Schule für diese Räumlichkeiten Miete, sodass das anfallende Defizit die Schule in ihrer Existenz bedroht.

71 Schüler der Vorschule, der ersten, zweiten und zehnten Klasse werden in der Pfarrkirche unterrichtet. Ein Großteil der Schülerzahl, und zwar 142 der Jahrgangsstufen 4,6,7,8,9,11, sind in privaten Häusern, der örtlichen Polizeistation, sowie Lagerräumen für die Zeit des Unterrichts untergebracht. Lediglich 67 Schüler der Klassen 2,3,5 können noch die verbliebenen Schulgebäude nutzen.

Projektmaßnahmen:

Die Planung sieht vor, die durch den Abbruch des einsturzgefährdeten Schulgebäudes entstandene Lücke durch 2 eingeschossige Gebäudekörper zu schließen, die den Schulhof zur Straße abschirmen und gleichzeitig in ihrer Mitte einen einladenden Schulhof bilden sollen.

Die Gebäude sollen bewusst in Ihre Ausrichtung voneinander separiert werden, um den Bezug zu den Bestandsgebäuden auf jeder Seite herzustellen.

In den beiden Gebäuden sollen 5 Klassenräume eingerichtet werden. Jedes Klassenzimmer soll hierbei maximal 25 Schüler beherbergen, um eine hohe Ausbildungsqualität sicherzustellen. Einer der Räume soll zusätzlich als multifunktionaler Medienraum nutzbar sein. 

Die Gebäude sollen in einfacher lokaler Bauweise entstehen, um schnell, sicher und kosteneffizient errichtet zu werden. Hauptaugenmerk liegt auf der zügigen Wiederherstellung eines normalen Schulbetriebs. Bei der Planung orientiert man sich an den lokalen Gegebenheiten und versucht die lokale Bauweise durch neue Ansätze zu ergänzen. Dabei wird jedoch ein wichtiger Fokus auf die sichere Ausgestaltung der tragenden Bauelemente sowie eine stabile Gründung gelegt.

Die Fundamente der beiden Gebäude sollen neu ausgeführt werden und eine stabile Grundplatte als Basis für die künftige Konstruktion dienen, die sicher im Boden verankert wird.

Zusätzliche Streifenfundamente sorgen für eine solide Grundlage. Auf die armierte Bodenplatte werden Betonstützen gestellt, die das tragende Gerüst ausbilden. Die Zwischenräume werden mit Mauerwerk ausgefüllt und weiter versteift. Ein betonierter Ringanker bildet den Abschluss am oberen Mauerende. Gleichzeitig bildet er den Fenstersturz für die großzügigen Fensteröffnungen. Der Innenraum soll so während der Unterrichtszeiten durch Tageslicht erleuchtet werden.

Das Satteldach wird mit Dachplatten aus Faserzement bedeckt und sorgt für einen sicheren Wetterschutz. Das Holztragwerk bleibt als stabiles, raumbildendes Element sichtbar.

Im Traufbereich zum Schulhof ist das Dach mit einem Überstand geplant, der bei Regen einen trockenen Wechsel zwischen den Schulklassen ermöglicht, sowie im Sommer vor der Sonneneinstrahlung schützt. Jeder Klassenraum soll mit ca. 47m2 bei 7,5 Länge und 6,5 Breite als einzelne Raumeinheit von außen zugänglich sein. Massive Wände in Stärke der Außenwand trennen die Klassenräume voneinander und verstärken die schalltechnische Trennung.

Das Ziel der Maßnahme ist es, die Funktionalität der Bildungseinrichtung durch den Bau zwei neuer eingeschossiger Schulgebäude wiederherzustellen und einen sicheren Unterricht innerhalb der neuen Räumlichkeiten zu garantieren. Die Qualität der Bildungsinfrastruktur soll wiederhergestellt und verbessert werden.

Kinder der indigenen Bevölkerung von San Andres sollen hier ihre Bildungsgrundlage erhalten, um sich auf ihre Zukunft und den nachfolgenden Bildungsweg vorzubereiten.

Für alle 280 Kinder der Schule wird sich durch den Neubau das Aussehen und der Charakter ihrer Schule verändern. Eine neue Zugangssituation gibt der Schule einen einladenden Charakter und hilft den Kindern sich mit ihrem Ort des Lernens zu identifizieren.

Zudem wird der Schulhof, der bis jetzt nicht eingegrenzt war, abgeschlossen sein. Dies sichert sowohl die Schule selbst als auch ihre Schüler vor der Straße und macht es den Lehrern leichter die Klassen zu beaufsichtigen.

Fördervolumen: 70.050 Euro

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