Ganesh Pra (2016)

Schulwiederaufbau nach dem Jahrhundertbeben

Standort:

Ganesh Pra (Nepal/Asien)

Projektpartner vor Ort: Help - Hilfe zur Selbsthilfe e.V.
In Kooperation mit der DER Touristik Foundation e.V.

Erdbeben Nepal

Am 25. April 2015 wurde Nepal von dem schwersten Erdbeben seit 81 Jahren erschüttert. Das Beben der Stärke 7,8 und zahlreiche starke Nachbeben forderten fast 9.000 Tote und über 22.000 Verletzte. In den dörflichen Bergregionen sind die Häuser traditionell aus Steinen und Lehm in die Hänge gebaut. Einem Erdbeben halten nur die wenigsten Stand. 600.000 Häuser wurden völlig zerstört, weitere 300.000 stark beschädigt. Mehr als 1,1 Millionen Kinder können bis auf weiteres keinen oder nur eingeschränkt Unterricht erhalten, weil die Mehrzahl der Schulgebäude dem Erdboden gleichgemacht wurde. Insgesamt wurden durch die Beben 37.000 Klassenzimmer vollständig zerstört, weitere 280.000 sind extrem sanierungsbedürftig.

Unsere Partnerorganisation sofort im Einsatz

Wie bereits bei früheren Katastropheneinsätzen arbeitete unsere Partnerorganisation auch bei diesem Einsatz wieder mit seiner Partnerorganisation @fire, einer deutschen Hilfsorganisation international tätiger Feuerwehrleute, zusammen. Das sechsköpfige Team von @fire mit zwei Rettungshunden erreichte knapp 48 Stunden nach dem Beben Nepal. Die erfahrene Crew half eine Woche lang bei der Suche nach und der Bergung von Überlebenden.

Not- und Soforthilfe

Unsere Partnerorganisation entsandte neben dem @fire Team umgehend auch zwei erfahrene Nothelfer nach Nepal, um weitere Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Die beiden Bauingenieure arbeiteten in engem Austausch mit anderen deutschen Hilfsorganisationen vor Ort und identifizierten im Distrikt Sindhupalchok die besonders stark von den Auswirkungen des Erdbebens betroffene und bislang von jeglicher Hilfe abgeschlossene Gemeinde Thulo Sirubari. Thulo Sirubari liegt am südlichen Rand des Distrikts Sindhupalchocks. Sindhupalchock in Zentralnepal ist ca. 60 km vom Epizentrum des Bebens vom 25.04.2015 entfernt, nah genug um einer der am schlimmsten betroffenen Provinzen in ganz Nepal zu sein. Die Gemeinde besteht aus neun Bezirken und 82 Dörfern und Weilern.

Schulen in Thulo Sirubari

95,5 Prozent der Häuser und öffentlichen Infrastruktur in Thulo Sirubari sind durch die Beben zerstört worden. In der Gemeinde leben 2.056 Familien, das sind 9.905 Personen. Ein Drittel der Bewohner ist jünger als 18 Jahre. Vor dem Beben gab es zehn Schulen in der Region, die von Schülern bis zu ihrem 12. Lebensjahr besucht wurden.

Die Grundschule Ganesh Pra V

Die Grundschule Ganesh Pra V liegt im Osten von Thulo Sirubari. Das Dorf ist relativ gut mit Allradfahrzeugen und Motorrädern zu erreichen und außerhalb der Monsunzeit auch für Laster zugänglich. Vor dem Erdbeben bot die Schule mit ihren sechs Klassenzimmern Platz für etwa 160 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Am Tag der Katastrophe wurden die zwei in traditioneller Lehmbauweise errichteten Schulgebäude so stark zerstört, dass sie nicht mehr nutzbar sind. Der Überbau aus Stahlträgern blieb weitgehend erhalten, so dass er voraussichtlich nicht abgetragen werden muss. Auch die vier Latrinen sind, abgesehen von der Abdeckung des Klärbehälters, nur leicht beschädigt und sind weiterhin nutzbar. Die Schulküche jedoch wurde völlig zerstört und muss vollkommen neu aufgebaut werden. Da sich das Beben an einem Samstag ereignete, wurden glücklicherweise keine Kinder und Lehrer verletzt. Jedoch verloren die Schülerinnen und Schüler aus Ganesh an diesem Apriltag mit einem Schlag ihre einzige Chance auf Bildung und damit die Hoffnung auf einen Weg aus der Armut. Der Zugang zu Bildung ist in Nepal ohnehin oftmals erschwert, bedingt durch die wirtschaftliche Not vieler Familien und einem immer noch ausgeprägten Kastensystem, das Diskriminierung und Ausschluss der unteren Klassen begünstigt. Viele Kinder, die in Nepal nicht zur Schule gehen, müssen zudem – wie in vielen anderen weniger entwickelten Ländern auch – zu Hause und auf den Feldern der Familie mitarbeiten.

Wiederaufbau der Grundschule Ganesh Pra V

Um die sichere Entwicklung und Ausbildung der Kinder in Ganesh zu gewährleisten und ihre Zukunftsperspektiven zu verbessern, plant unsere Partnerorganisation den Wiederaufbau der örtlichen Grundschule. Sie arbeiten grundsätzlich nach dem Prinzip „build back better“, einem der wichtigsten Grundsätze der internationalen humanitären Hilfe. Nach diesem Leitmotiv soll die Situation für die Betroffenen nach dem Wiederaufbau möglichst gegenüber der Ursprungssituation vor der Katastrophe verbessert sein. Im Fall der Grundschule Ganesh Pra V entspricht dies der Sanierung von vier und des Wiederaufbaus von zwei weiteren Klassenzimmern in erdbebensicherer Bauweise sowie des Neubaus der Schulküche und der Reparatur der Latrinen. Dazu arbeiten sie eng mit der lokalen Schulbehörde zusammen und erstellen die Baupläne nach den kürzlich aktualisierten Leitlinien der National Society for Earthquake-Technology Nepal (NSET). Um die Schulanlage so kindgerecht wie möglich zu gestalten, wird bei der Planung zudem das UNICEF-Modell der „child-friendly schools“ angewendet. Beim Bau der Sanitäreinrichtungen orientiert sich unser Partner an den international anerkannten Sphere-Standards der humanitären Hilfe.

Fördervolumen: 40.000 Euro

In 2017 wurde die Schule erneut mit 5.000 Euro für Lehrmaterialien unterstützt.

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