Mahatenikhola (2020)

Bau von drei Klassenräumen, Toilette, Bibliothek

Standort:

Mahatenikhola (Nepal/Asien)

Projektpartner vor Ort: Kinderhilfswerk Dritte Welt e.V.

Hintergrund:

Das Projekt soll in der Gemeinde Mahatenikhola in der Region Dang, welche im mittleren Westen von Nepal liegt, realisiert werden. Die Rajpur Rural Gemeinde, Bezirk Nr. 5 Mahatenikhola liegt im südwestlichen Teil des Deukhuri Tals ungefähr 450 km von Kathmandu entfernt.

In der Gemeinde Mahatenikhola leben etwa 449 Menschen in 82 Haushalten. Die Bewohner*innen gehören verschiedenen ethnischen Gruppen an: 75% Magar und Gurung, 5% Dalit, 20% anderen ethnischen Gruppen.

In der Projektregion leben viele Menschen von der Landwirtschaft oder der Viehzucht. Keine ausreichende Bewässerung und fehlende Bewässerungskanäle minimieren den ohnehin geringen jährlichen Ertrag der Menschen. Es gibt keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser, Elektrizität oder Gesundheitszentren.

Außerdem gibt es häufig Kommunikationsprobleme. Der Gesellschaft fehlt das Bewusstsein für das Recht auf Bildung und dessen Potenzial für die Zukunft. Oft führt Unwissenheit der Eltern dazu, dass sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrer*innen findet nicht regelmäßig statt.

Das erschwert die Zusammenarbeit und behindert eine nachhaltige Entwicklung des Lernumfeldes und eine Stärkung des Bewusstseins über die Wichtigkeit von Bildung in der Gesellschaft. Zudem fehlen der Schulleitung und den Dorfbewohnern das Wissen und die Mittel für einen langfristigen und nachhaltigen Erhalt der Schule. Das hat eine Abhängigkeit von Spendengeldern zur Folge.

Die Shree Janajyoti School liegt in der Gemeinde Mahatenikhola (Region Dang) und ist 1985 eröffnet worden. Die Schule ist 450 km von Kathmandu entfernt. Das entspricht einer Anreise von über 12 Stunden oder länger. Die letzte Strecke muss meist zu Fuß bewältigt werden.

Gegenwärtig besteht die Schule aus drei Gebäuden mit insgesamt 8 Klassenräumen. Die zwei ältesten Schulgebäude haben je drei sehr kleine Klassenräume. Eines davon ist in einem sehr schlechten Zustand, kann nicht verwendet und müsste abgerissen werden. Die Klassenräume sind eng, es gibt keine gute Luftzirkulation und nicht ausreichend Licht. Das zweite Gebäude ist zwar alt, kann aber noch verwendet werden und das dritte Gebäude ist in einem guten Zustand. Es wird auch aktuell für den Schulbetrieb genutzt und stellt 2 Klassenräume zur Verfügung.

Insgesamt werden aber sieben Schulstufen und eine Kindergarten-/Vorschulklassen unterrichtet.

Zudem gibt es nur zwei sehr veraltete Toiletten ohne Zugang zu sauberem Wasser zum Spülen und Händewaschen. Außerdem gibt es kaum und nur sehr altes, marodes Mobiliar und das Schulgelände nicht eingezäunt, wodurch es leicht zu Unruhe von außen z.B. durch Tiere kommen kann. Das ist in Nepal leider nicht ungewöhnlich.

Das Bildungssystem in der Projektregion Dang, ist nicht mit dem in urbanen Regionen zu vergleichen. Unsichere, unkomfortable oder sogar fehlende Infrastruktur, sowie kaum finanzielle Ressourcen, behindern, insbesondere seit dem verheerenden Erdbeben 20151, die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen. Einer der größten Nachteile der Bildungseinrichtungen in den entlegenen Regionen, ist der fehlende Zugang zu Informationen, d.h. auch zu Bibliotheken (Print und Digital). Es gibt kein Internet, keine Bücher zu Hause oder Eltern, von denen die Kinder etwas lernen könnten. Die einzige Informationsquelle für die Kinder und alle anderen Dorfbewohner ist die Schule mit ihren Lehrer*innen und dem Material, das dort zur Verfügung gestellt wird. Dies reicht jedoch nicht aus, um den Kindern ein breitgefächertes Wissen oder Aktivitäten zu vermitteln.

Erschwerend hinzu kommt in Mahatenikhola das Fehlen von Lehr- und Unterrichtsmaterialen, das nur eine unzureichende Wissensvermittlung des Grundlehrplans zulässt, wodurch auch die Bildungsqualität der Schule sinkt. Zwar wird der von der Regierung unterstützte Grundlehrplan auch finanziell unterstützt, die Mittel reichen aber nicht aus, um ausreichend Materialien für alle Kinder zu besorgen. Dies hat dazu geführt, dass die Kinder in Mahatenikhola nicht ihrem Alter entsprechend gebildet sind.

Da es zu wenig Platz, keine richtigen Toiletten und kaum Unterrichtsmaterial gibt, besuchen einige Kinder die Schule gar nicht oder die Eltern schicken ihre Kinder auf Schulen oder Internate, welche sehr weit entfernt liegen und häufig sehr teuer sind. Für diese Schulen können sie kaum bezahlen. Die Erweiterung der Primarschule und die Verbesserung der Bildungsqualität würde die Eltern demnach finanziell entlasten, da sie ihre Kinder auf eine nahegelegene und hochwertige Schule schicken könnten.

Die direkte Zielgruppe des Projekts sind circa 89 Schüler*innen der Shree Janajyoti Schule. Des Weiteren profitieren auch die sieben Lehrer*innen, das familiäre Umfeld, Frauengruppen, Kindergruppen und das Schulkomitee der einheimischen ethnischen Gruppen. Circa 408 Menschen aus 65 Haushalten werden von dem Ausbildungsprogramm profitieren. Zudem rechnet die Schule damit, durch die neuen räumlichen Kapazitäten jährlich circa 20% mehr Kinder aufnehmen zu können.

Die 89 Schüler*innen werden von sieben Lehrer*innen unterrichtet. Davon sind drei qualifizierte und vom nepalesischen Bildungsministerium bezahlte Lehrer*innen und vier qualifizierte private Lehrkräfte, sodass die Ausstattung mit pädagogischem Personal gesichert ist. Die Schüler*innen gehen täglich durchschnittlich eineinhalb Stunden zu Fuß zur Schule. Schüler*innen aus Mahatenikhola und Koriakhola besuchen die Schule regelmäßig.

Projektmaßnahmen:

Ein Besuch der Primarschule durch unseren Projektpartner hat gezeigt, dass die Gemeinschaft und die Schulleitung ihr Bestes geben, um zumindest eine grundlegende Bildung unter diesen Umständen zu vermitteln – das Lernumfeld, aber grundsätzlich ungeeignet ist.

Die bestehenden intakten Klassenräume reichen nicht aus, um alle Kinder kinderfreundlich zu unterrichten. Ein Gebäude auf dem Gelände ist in einem gefährlichen Zustand und muss abgerissen werden. Der gesamten Schule fehlt es an ausreichend Unterrichtsmaterialien. Es existiert zwar eine Toilette, diese bietet jedoch ohne Wasseranschluss nur unhygienische Bedingungen. Sie entsprechen mehr oder weniger einem Loch im Boden. Außerdem ist das Schulgelände nicht eingezäunt.

Durch den Neubau der Primarschule erhalten die Kinder ein sichereres und verbessertes Lernumfeld. Schüler*innen, die zurzeit Schulen in erheblicher Entfernung besuchen oder gar nicht zur Schule gehen, bekommen so die Möglichkeit ihre Grundschulzeit unter optimalen Lernbedingungen in naher Umgebung zu ihrem Heimatdorf zu absolvieren.

Als optimale Ergänzung finden auf dem Gelände spezielle Ausbildungsprogramme für Eltern, Gemeindemitglieder, Lehrer*innen und die Schulleitung statt, so dass sich das Bildungsverständnis eines großen Bevölkerungsteils verbessert. Hierzu werden Trainings zu verschiedenen, bedarfsorientierten Themen für alle ethnischen Gruppen und Geschlechter angeboten.

Die Veränderung der Infrastruktur umfasst den Abriss des ältesten Schulgebäudes mit drei kleinen Klassenräumen und den Bau eines Schulgebäudes mit drei großen, kinderfreundlichen Klassenräumen. Weiter wird eine Toilette mit zwei Räumen sowie ein Trinkwasseranschluss gebaut. 250m des Schulgeländes werden eingezäunt, um das Gelände ausreichend abzusichern. Das Schulgebäude wird unter Berücksichtigung des nepalesischen Schulbaurechts gebaut.

Optional könnte das dreiräumige Schulgebäude, das bestehen bleibt, für 5.500 EUR renoviert werden.

Zudem werden Lehr- und Lernmaterial für die Primarschule besorgt. Insgesamt wird die Schule dann wieder über acht Räume verfügen. Sieben Räume werden als Klassenzimmer und eines als Büro verwendet werden.

Warum sieben Klassenräume?

In den meisten Schulen Nepals werden die Schüler*innen nicht in mehreren Klassen pro Stufe unterrichtet, wie in westlichen Ländern, sondern jede Stufe hat eine eigene Klasse. Das heißt in Nepal ist der Klassenraum 1 für Schüler*innen der 1. Klasse, welche ihr gesamtes Schuljahr in diesem Raum verbringen. Die Lehrer*innen wechseln mit den Fächern z.B. Biologie, Nepali, Englisch, Mathematik etc von Klasse zu Klasse. Demnach sind die Klassenräume nach Stufen und nicht nach Anzahl der Schüler*innen eingeteilt. Normalerweise muss eine Grundschule aus mindestens 11 Räumen bestehen. Die Kindertagestätte hat drei Räume und die Klassen 1-8 jeweils einen Raum. In den Dörfern hat die Kindertagesstätte häufig nur 1-2 Räume, aber für die Klassen ist es vorgeschrieben, dass jede Klasse einen Klassenraum hat.

Die Shree Janajyoti Schule beherbergt die Klassenstufen 1-6 und einen Raum für die Kindertagesstätte/Vorschule. Demnach benötigt die Schule insgesamt sieben Räume, um eine geeignete Unterbringung und ein geeignetes Lernumfeld für die Schüler*innen sicherzustellen.

Zudem darf die aktuelle Schülerzahl nur bedingt als Bewertungsgrundlage verwendet werden, da aufgrund der mangelhaften Ausstattung der Schule und des fehlenden Bewusstseins der Eltern viele schulpflichtige Kinder gar nicht oder woanders zur Schule gehen.

Durch das Projekt soll ein besseres Lernumfeld für die Kinder geschaffen werden, um das Bildungsniveau und die Anzahl der Kinder, die zur Schule geschickt werden, zu erhöhen.

Kapazitätsbildung

Das Educational Environment Improvement and Community Enhancement Program (EEICEP):

Aufgrund der vorherrschenden Unsicherheit, fehlender Bildung und finanziellen Möglichkeiten der Eltern ist es umso wichtiger, ein ideales Lernumfeld zu schaffen, das den Eltern die Wichtigkeit von Schulbildung näherbringt. Das Bewusstsein und die Wichtigkeit von Bildung müssen durch die Schulleitung, Mitglieder der Gemeinschaft und Aktivitäten vermittelt werden, damit mehr Eltern ihre Kinder zur Schule schicken und die Bedeutung von Bildung in der Gesellschaft steigt. Daher sind auch die, in der Einleitung erwähnten Trainings (siehe Anhang 2), von sehr hoher Bedeutung, denn sie binden das direkte Umfeld der Schüler*innen mit ein (Empowerment), geben ihnen Aufgaben und beugen so Unwissenheit und Skepsis vor.

Das EEICEP erweist sich seit mehreren Jahren als erfolgreiches und essenzielles Instrument in der Projektarbeit. Denn nur durch solche Programme kann ein effizienter und nachhaltiger Einsatz der zur Verfügung gestellten Infrastruktur gewährleistet werden.

Zwei der speziell ausgesuchten Trainings für die Region Dang möchten wir im Folgenden gern kurz erläutern:

  1. Sports for Education Programm

Für die Verbesserung der Bildungsqualität spielt auch Sport eine entscheidende Rolle. Sport, im Allgemeinen, hilft der körperlichen und geistigen Entwicklung eines jeden Kindes. Sport ist selbst eine Form von Bildung, welche lehrt diszipliniert, engagiert, verantwortlich und respektvoll zu sein. Das Sports for Education Programm bietet die Möglichkeit, der körperlichen Entwicklung und des Erlernens von verschiedenen Arten von sportlichen Aktivitäten. Diese Möglichkeit haben die Kinder zu Hause nicht.

  1. Ziegenhaltung, um Einkommen zu generieren

Außerdem werden die Menschen in Einkommen-generierenden Maßnahmen geschult, die die eigene finanzielle Situation, insbesondere aber die der Schule stärken sollen. Welche Maßnahme das sein kann ist von Schule zu Schule und Region zu Region unterschiedlich. Eine Bedarfsanalyse zeigte, dass in Dang die Ziegenzucht eine gute Möglichkeit ist. Die Gemeinde stellt das Land zur Verfügung und im Rahmen des Projekts werden Ziegen, Futter und Medikamente angeschafft. Im Rahmen des Workshops lernen die Menschen über die Haltung, die Vermehrung und die Futtermittel. Der regelmäßige Erlös kommt dann dem Schulerhalt zu Gute. Das Wissen unterstützt die Menschen auch in ihrer privaten Nutztierhaltung. Es ist in den abgelegenen Dörfern üblich, dass Mensch und Tier nebeneinander wohnen und die Menschen Selbsterhalter sind. Ziegen sind in Nepal sehr teuer und werden insbesondere an hohen Feiertagen geopfert. 

Weiter soll in den bestehenden Räumlichkeiten eine Bibliothek eingerichtet werden (Kein Neubau). Warum eine Bibliothek?

Eine Bibliothek spielt eine zentrale Rolle in der Förderung des Lern- und Wissensfortschritts von Kindern, Jugendlichen und deren Umfeld. Bibliotheken schaffen Lernmöglichkeiten, unterstützen Alphabetisierung und Bildung und tragen dazu bei, neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln, die für eine kreative und innovative Gesellschaft von zentraler Bedeutung sind.

Shanti Griha Nepal fördert daher Bibliotheksprogramme in den Schulen der abgelegenen Dörfer. Die Erfahrungen unseres Projektpartners zeigen sehr positive Auswirkungen für Schüler*innen, Lehrer*innen und die Dorfgemeinschaft im Allgemeinen. Innerhalb weniger Jahre sind zum Beispiel positive Veränderungen bei den Kindern zu beobachten – es hat sich in den Gemeinden mit Bibliothek eine hohe eigenständige Lese- und Lernbereitschaft entwickelt und die Anwesenheit der Kinder stetig erhöht. Daher soll auch eine Bibliothek in den bestehenden Gebäuden errichtet werden.

Das Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Bildungsinfrastruktur und der Lebensbedingungen der Menschen in Mahatenikhola für ein besseres Bildungsumfeld. Der Neubau der Primarschule in Mahatenikhola sowie die geplanten Programme haben konkret folgende Auswirkungen:

a) Neuerrichtung und Ausstattung eines dreiräumigen Schulgebäudes.
b) Das Schulgebäude erhält eine Wasserleitung und ist mit Trinkwasser versorgt.
c) Die Toilettenräume werden neu gebaut.
d) Die Toiletten und die Wasserleitung erlauben ein Mindestmaß an Hygiene.
e) Die bestehenden 89 Schüler*innen und die Lehrkräfte erhalten wieder ein verlässliches Lernumfeld.
f) Es wird mit einem Schüler*innen Wachstum von circa 20% pro Jahr gerechnet.
g) Unterrichts- und Lernmaterialien werden bereitgestellt.
h) Das Bibliotheksprogramm bietet Zugang zu vielen externen Informationen.
i) Das Sport for Education Programm fördert die Kinder in ihrer physischen und psychischen Entwicklung.
j) Durch das EEICEP (12 Workshops) erhält die Gemeinde Unterstützungen und Richtlinien zur Förderung der Gemeinschaft und zur Verbesserung des Lernumfelds.
k) Die Einkommensverwaltung unterstützt den nachhaltigen Schulbetrieb und schafft Arbeitsplätze.

Fördervolumen: 45.500 Euro

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