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Buenos Aires (Argentinien)/Florianopolis/Rio de Janeiro (Brasilien), Tag 136 & 137

Zuckerhut und Westerwälder Markklößchensuppe

18.08.2010

Mit dem Helikopter über Rio

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/144_Tag136-137_Buenos Aires-Rio de Janeiro_Blick aus der Piper Cheyenne auf die brasilianische Kueste.jpg„Fallen ist keine Schande, aber liegenbleiben.“ (Deutsches Sprichwort, aus dem Buch "Ich find mich")

Buenos Aires (SABE) – 34° 35′ 59″ S, 58° 22′ 55″ W
Florianópolis (SBFL) – 27° 35′ 34″ S, 48° 33′ 8″ W
Rio de Janeiro (SBRJ) – 22° 54′ 30″ S, 43° 11′ 47″ W
Distanz: 1250 NM
Flugzeit: 6 Stunden

Tag 136, 17. August 2010
Endlich bin ich wieder beschwerdefrei und fühle mich fit. Die Ratschläge und Medikamentenempfehlungen meines Fliegerarztes Michael May haben mir dabei sehr geholfen. Mit Tatendrang und Vorfreude geht es früh morgens direkt zum Flughatl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/145_Tag136-137_Rio de Janeiro_Reiner Meutsch und Arnim Stief vor der Christusstatue in Rio.jpgfen San Fernando. Wir starten Richtung Norden und noch einmal liegt Buenos Aires unter uns. Schon wenigen Minuten später überqueren wir die Grenze zu Uruguay in nur 9.000 Fuß Höhe. Das Wetter ist ruhig, der Himmel strahlend blau und wolkenlos, die Sicht ist klar.

Nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir die Grenzregion zu Brasilien. Unter uns erstreckt sich ein Hochplateau und überall schwelen hunderte kleine Brände. Es sollen kontrollierte Feuer auf Sojafeldern sein, wie wir später erfahren. Der aufsteigende Qualm überzieht schätzungsweise 70 Prozent der Fläche und führt dazu, dass die Sicht schlecht ist.

Auf halber Strecke nach Rio de Janeiro legen wir in Florianópolis einen Tankstopp ein und erledigen auch gleich die Einreiseformalitäten. Der Spritpreis liegt bei zwei US-Dollar pro Liter, sehr teuer also. Obendrauf schlagen der Handlingagent mit 500 Dollar und die Landegebühr mit 250 Dollar zu buche. Brasilien ist in diesem Sinne kein Vergnügen für Piloten. Die Abfertigung zieht sich über zwei Stunden hin, bevor wir entlang der Küste Kurs auf Rio nehmen können. Die Landschaft unter uns zweigt sich saftig grün und überall liegen kleine Inseln im Meer, umsäumt von schneeweißen Stränden – ein bisschen erinnert mich das an Thailand. Um 17.30 Uhr geht die Sonne unter, noch gut 30 Minuten und Rio de Janeiro ist erreicht. Die Neun-Millionen-Metropole empfängt uns mit einem Wahnsinnsanblick: Die Christus-Statue auf dem Corcovado ist hell angestrahlt und die Lichter der Großstadt funkeln um die Wette. Wir landen pünktlich auf dem Stadtflughafen.
tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/146_Tag136-137_Rio de Janeiro_Reiner und Jessina Meutsch auf dem Corcovado mit Zuckerhut im Hintergrund.jpg
Empfangen werden wir von Gerhard Schneider. 20 Jahren ist es her, als er Gast in meiner Radiosendung „Mein Abenteuer“ war. Damals arbeitet er noch im Wittich-Verlag für den LokalAnzeiger in seiner Heimatstadt Höhr-Grenzhausen. Er heiratete eine Brasilianerin und folgt ihr nach Lateinamerika. Seit mehr als zehn Jahren lebt er nun schon mit seiner Familie in Rio. Mittlerweile arbeitet er in einer Reiseagentur, wodurch er uns eine kostenfreie Unterkunft im Mittelklassehotel Atlantico ermöglicht hat. Beim Abendessen an der Copacabana besprechen wir das Tagesprogamm für morgen.

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/147_Tag136-137_Rio de Janeiro_Blick auf den Sambodromo.jpgTag 137, 18. August 2010
Bei milden 24 Grad starten wir mit einer geführten Stadtbesichtigung durch Rio de Janeiro. Lange Zeit beherrschten Portugiesen, Niederländer und Franzosen das riesige Land. Im Jahr 1822 wurde die Unabhängigkeit von Portugal erklärt und Pedro I. ernannte sich zum ersten brasilianischen Kaiser. Bis 1960 war Rio die Hauptstadt Brasiliens und wurde dann von der etwa 1.000 Kilometer im Landesinneren liegenden Stadt Brasília abgelöst.

Reiseleiterin Leni Hein, eine deutschstämmige Brasilianerin, zeigt uns als erstes den Corcovado. Auf dem berühmten Berg steht die Christus-Statue, das Wahrzeichen Rios. Das 30 Meter hohe und über 1.100 Tonnen schwere Monument stammt aus den 1930er Jahren. Mit einer in der Schweiz entwickelten Zahnradbahn geht es in 20 Minuten 700 Meter hinauf zum Aussichtsplateau des Corcovado. Auf der Rückfahrt spielt eine Samba-Gruppe im Zug, alle feiern mit und die Stimmung ist grandios. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass an allen Ecken gefeiert und gelacht wird.

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/150_Tag136-137_Rio de Janeiro_Blick auf den Strand an der Copacabana.jpgWeiter geht es zum Sambodrómo, dem Stadion für Karnevals-Paraden. Wir blicken auf viel Beton und leere Sitze. Doch einmal im Jahr strömen bis zu 60.000 Besucher auf das Gelände. Der wohl spektakulärste Karnevalsumzug der Welt taucht dann das graue Einerlei in ein Meer von Farben.

Anschließend besuchen wir das Maracanã-Stadion, Fußballarena und Austragungsort von Rock- und Popkonzerten. Fast 90.000 Menschen können hier jubeln und feiern – in den 1950er/60er-Jahren sollen es auch schon mal 200.000 gewesen sein. Da die Fußball-WM 2014 in Brasilien stattfindet, wird das Stadion als möglicher Austragungsort gehandelt.

Dann führt uns Leni auf den Pão detl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/151_Tag136-137_Rio de Janeiro_Auf einem Hubschrauberrundflug ueber Rio.jpg Açúcar, den Zuckerhut, ein weiteres Wahrzeichen Rios. Der 394 Meter hohe Granitfelsen ragt auf einer Halbinsel, die der Stadt in der Guanabara-Bucht vorgelagert ist, aus dem Atlantik. Auf den Gipfel führt eine Drahtseilbahn, deren Kabinen rundherum verglast sind. So ist der Blick auf den Berg während der Fahrt unverstellt. 1979 war der Felsen Kulisse des James-Bond-Films „Moonraker – Streng geheim“. An der südlichen Seite des Zuckerhuts erstrecken sich die Strände von Copacabana, Ipanema und Leblon.

Das Highlight des Tages heben wir uns bis zum Schluss auf: Einen zehnminütigen Helikopterflug, direkt vom Nebenberg des Zuckerhut aus. Ich bin sprachlos und genieße die herrliche Aussicht auf diese wunderschöne Stadt.

Abends lädt uns Gerhard Schneider zu sich nach Hause ein. Er grinst breit, denn er hat eine köstliche Westerwälder Markklößchensuppe gekocht. Das ist Heimatfeeling pur. Abschließend machen wir uns auf ins Künstlerviertel Lapa und lassen den Tag mit Sambamusik ausklingen.

Morgen fliegen wir in sieben Stunden weiter die Küste hinauf gen Norden. Unser Ziel ist Maceió, wo wir das fünfte FLY & HELP-Hilfsprojekt auf der Weltumrundung besuchen werden. Ich bin schon sehr gespannt und auch etwas aufgeregt.

Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der FLY & HELP-Bildergalerie hinterlegt.

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/152_Tag136-137_Rio de Janeiro_Die Christusstatue und der Zuckerhut.jpg   tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/149_Tag136-137_Rio de Janeiro_Das Theatergebaeude.jpg
tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/148_Tag136-137_Rio de Janeiro_Eine junge Brasilianerin.jpg