Quito (Ecuador), Tag 126
Unglaubliche Geschichten vom Äquator
07.08.2010
Streifzug durch Quito
„Die größte Sehenswürdigkeit, die es gibt, ist die Welt – sieh sie dir an!“ (Kurt Tucholsky)
Mit dem Schweizer Theo Isler, der seit Jahren in Ecuador lebt, machen wir uns gegen 10 Uhr auf den Weg zur Mitte der Erde – dem Mitad del Mundo – nach San Antonio de Pichincha. Wir wollen das Museo de Sitio Intiñan besuchen. Mit dabei ist auch Reiseleiter Marco. Es soll ein unglaublicher Vormittag werden.
Zielstrebig steuern wir die Attraktion des Ortes, die Äquatorlinie an. Wir stehen auf der 00:00:00-Markierung, das rechte Bein auf der Südhalbkugel, das linke auf der Nordhalbkugel. Der Museumsführer schiebt mich einen Meter von der Äquatorlinie
nach links. Er weist mich an, beide Arme gen Himmel zu heben und meine Hände zusammen zu falten. Arnim soll nun versuchen, mit beiden Händen meine Arme nach unten zu drücken. Ich halte gut dagegen und er hat keine Chance. Dann soll ich mich genau auf die Markierung stellen und wieder die Arme anheben, Hände falten und Arnim soll mit nur einer Hand versuchen, meine Arme nach unten zu drücken. Es dauert keine Sekunde und er hat es ohne großen Kraftaufwand vollbracht!
Ich wiederhole den Test mit Jessina und wir zwei kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Einen Meter neben der Linie halte ich Daumen und Zeigefinger fest zusammen. Jessina strengt sich an, kann sie aber nicht auseinanderdrücken. Einen Schritt seitwärts auf die Äquatorlinie gemacht und sie benötigt kaum Kraft, um meine Finger zu bewegen.
Dann laufen wir mit ausgestreckten Armen und geschlossenen Augen über einen Strich, der einen Meter rechts neben der Äquatorlinie auf dem Boden angezeichnet ist. Wir balancieren und gehen etwa fünf Meter voran. Nun das gleiche auf der Äquatorlinie daneben: Keinen halben Meter halten wir durch ohne wie beschwipst nach links oder rechts zu wanken. Zurückzuführen sind all dieses unglaublich faszinierenden Phänomene auf die unterschiedlichen wirkenden Corioliskräfte auf beiden Erdhälften.
Unter dem wachsamen Auge des Museumsguide stellen wir ein rohes Ei auf einen spitzen Nagel, der sich direkt auf der Äquatorlinie befindet. Das Ei bleibt ausbalanciert stehen und ist unversehrt. Der Guide hat noch weitere kleine Versuche für uns auf Lager. 
Im Museum erfahren wir zudem viel über die Geschichte und das Leben der Ureinwohner Ecuadors. Sogar eine präparierte, sieben Meter lange Anaconda gibt es zu bestaunen. Der Besuch hat sich absolut gelohnt und wird mir in schöner Erinnerung bleiben. Auf der Rückfahrt in die Innenstadt von Quito haben wir nur ein Gesprächsthema und jeder erzählt, wie er sich dabei gefühlt hat.
Fast ganz Quito befindet sich auf sandigen Böden vulkanischen Ursprungs. Erdbeben und Vulkanausbrüche reichen bis in die Gegenwart hinein. Kein Wunder, denn Quito ist von 14 Vulkanen umgeben.
Was wir gestern schon bei Nacht erahnen konnten, offenbart sich in all seiner Schönheit bei
Tag: Die koloniale Altstadt mit ihren unzähligen Kirchen und historischen Gebäuden. Ende des 15. Jahrhunderts eroberten die Inka das gesamte Land, wurden aber selbst bereits Anfang des 16. Jahrhunderts von den Spaniern unterworfen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Ecuador eigenständig. Zufällig wird an diesem Wochenende ausgiebig in der Stadt gefeiert und wir erleben viele kulturelle Veranstaltungen und sind mitten im Getümmel.
Für den Abend hat uns Susana Garcia, Direktorin des Hilton-Hotel in Quito, zum Essen eingeladen. Sie erzählt viel zur aktuellen Situation Ecuadors und wir müssen versprechen wiederzukommen. Beim nächsten Mal sollen wir unbedingt die Galápagos-Inseln besuchen. Diesmal fehlte uns einfach die Zeit für einen Abstecher auf den 1.000 Kilometer entfernt liegenden Archipel.
Morgen führt uns der zweieinhalbstündige Flug über die Gebirgskette der Anden in die peruanische Hauptstadt Lima.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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