Anchorage (USA/Alaska) / Whitehorse (Kanada), Tag 99 & 100
Unendliche Weiten entlang des Yukon River
20.06.2010
Eine überraschende Begegnung in Whitehorse
„Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet, das letzte Tier getötet ist, erst dann werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann!“ (Indianische Weisheit)
Anchorage (PANC) – 61° 13? 0? N, 149° 53? 0? W
Whitehorse (CYXY) – 60° 42? 58? N, 135° 3? 18? W
Distanz: 565 NM
Flugzeit: 3 Stunden
Tag 99, 19. Juni 2010
Wie riesig Alaska ist, werden wir auf unserem heutigen Flug nur ansatzweise erahnen können. Unendliche Weiten, Berge und Flüsse – ein unbeschreiblich schönes Landschaftsbild erwartet uns. Alaska ist in der Fläche betrachtet der größte, der nördlichste und zugleich der westlichste Bundesstaat der USA sowie die größte Exklave der Erde. 1867 erwarben die Vereinigten Staaten das vorher zu Russland gehörende Territorium. Auf dem Weg nach Kanada führt uns die Route auch über den größten Strom des Landes, den Yukon River. Er entspringt in den Rocky Mountains, durchquert Alaska in der Mitte und fließt Richtung Westen, um nach 3.200 Kilometer ins Beringmeer zu münden.
Doch bevor es losgeht, verabschieden wir zunächst Andreas Meißner, um dann selbst Punkt 13.30 Uhr von Anchorage gen Südwesten abzuheben. Ich steige auf 15.000 Fuß, denn die Gebirgskette der Wrangell Mountains ragt mit dem Mount Blackburn bis zu 5.000 Meter hoch hinaus. Es folgen die Waxell-Barkley Ridge bis 3.261 Meter und die an Kanada grenzende Eliaskette mit dem noch in Alaska liegenden Mount Saint Elias (5.489 Meter).
Dann drehe ich auf Südosten in Richtung der Gletscher. Das Gebirge entlang der Pazifikküste ist instabil und noch vulkanisch aktiv. Oftmals soll es hier zu Erd- und Seebeben kommen. Der Malaspina ist hier mit 4.275 Quadratkilometern der größte außerpolare Gebirgsgletscher der Erde. Das Wetter ist perfekt und so haben wir eine tolle Sicht auf das Bergmassiv.
Nach 90 Minuten und 400 Kilometern zurückgelegter Strecke canceln wir den IFR-Flugplan und fliegen auf Sicht (VFR) den Rest der Tagesetappe. Trotz 5.000 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel sind wir knapp über dem Boden, da das Gelände selbst sehr hoch liegt. Es geht über dicht bewaldete Hügel und tausende glasklarer Seen. Unberührte Natur soweit das Auge reicht. Dann endlich nähern wir uns dem riesigen Yukon River und folgen seinem Lauf bis ins kanadische Whitehorse. Ich muss sagen, ein echter Highlight-Flug auf unserer Weltumrundung!
Die Einreiseformalitäten am Flughafen von Whitehorse laufen reibungslos und keiner will unsere Pässe sehen. Wir fahren direkt zum 3-Sterne-Hotel Westmark in der Innenstadt. Mein Freund Bernd Weber hat mir den Tipp gegeben, in Whitehorse Station zu machen, da er die Gegend selbst von vielen Reisen kennt. Seit dem Start der Weltumrundung unterstützt er FLY & HELP als Verleger durch eine regelmäßige Berichterstattung im Lokalanzeiger. Wie oft hat er mir schon von der Natur und den Menschen hier vorgeschwärmt. Ich freue mich also besonders jetzt auch hier zu sein.
Whitehorse selbst hat rund 23.000 Einwohner und ist die Hauptstadt des Territoriums Yukon. Zu Zeiten des Klondike-Goldrauschs Ende des 19. Jahrhunderts war die Stadt ein wichtiger Handelsplatz für Güter aller Art, um die Goldschürfer mit dem Nötigsten zu versorgen. Heute ist die Kleinstadt für viele Kajak- oder Kanufahrer ein idealer Ausgangspunkt für die Tour ins 740 Kilometer entfernte Dawson City, ehemals Hauptstadt des Yukon.
Bei unserem ersten Erkundungsgang stoßen wir auf Warnschilder, die auf das Vorkommen von Schwarz-, Braun und Grizzlybären hinweisen. Wir sollten also besser wachsam sein. Der Abend endet in einem in Westernmanier hergerichteten Saloon, wo wir stilecht Steaks und Spare Ribs bestellen.
Tag 100, 20. Juni 2010
Bei einem Spaziergang entlang des Yukon River treffen wir heute Morgen zufällig auf zwei Deutsche, die gerade dabei sind ihr Kanu für die Fahrt zu beladen. Noch größer ist die Überraschung als wir uns gegenseitig wiederkennen, denn einer der beiden war vor einem Jahr Gast in meiner RPR1-Radiosendung „Mein Abenteuer“. Es ist Mathias Hanke, der nun von Whitehorse aus innerhalb von zehn Wochen den Yukon hinauf paddeln will. Bevor er ablegt, verabreden wir schnell einen neuen Sendetermin.
Danach geht es für uns auch auf den Yukon, allerdings nicht im Kanu, sondern per Schiff mit der „MV Schwatka“. In einer zweistündigen Tour kreuzen wir durch enge Schluchten und über kleine Stromschnellen. Von Deck aus können wir am Ufer sogar Biber beobachten. Das ist Wildnis pur, einfach phantastisch.
Am Abend besuchen wir die Frantic Follies-Show der Vaudeville Revue. Die Künstlertruppe stellt die Zeit des Goldrausches nach und Cancan-Tänzerinnen nebst Klavierspieler bieten ein großartiges Unterhaltungsprogramm. Ja, ja, der Wilde Westen …
Morgen fliegen wir weiter über den Yukon. Zuerst nach Dawson Creek und anschließend wird uns die Piper Cheyenne nach Prince George in British Columbia bringen.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur dritten Etappe in der FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.


