Whitehorse / Prince George / Vancouver (Kanada), Tag 101 & 102
Über den Rockys
22.06.2010
Fußballfieber in Joey’s Bar
„Du findest oft in Flüssen, was du in Ozeanen nicht finden kannst.“ (Indianisches Sprichwort)
Whitehorse (CYXY) – 60° 42? 58? N, 135° 3? 18? W
Dease Lake (CYDL) – 58° 26? 14.82? N, 129° 59? 32.86? W
Prince George (CYXS) – 53° 54? 58.75? N, 122° 45? 1.3? W
Distanz: 735 NM
Flugzeit: 3,5 Stunden
Tag 101, 21. Juni 2010
Welch unglaubliche Distanz wir in den letzten Tagen seit Anchorage zurückgelegt haben, wird uns einmal mehr heute Abend bei der Landung in Prince George bewusst werden. Immerhin liegen dann bereits 2.786 Kilometer hinter uns. Das ist eine Strecke soweit wie von meiner Heimat, dem Westerwald, bis auf die Kanaren.
Die Landschaft Kanadas ist einfach spektakulär und aus der Vogelperspektive noch um ein Vielfaches imposanter. Mein Freund Bernd Weber, der mir Whitehorse als Reisetipp empfohlen hatte, ist Deutscher mit kanadischer Staatsbürgerschaft. Er muss glücklich sein, den Yukon als seine zweite Heimat bezeichnen zu dürfen. Arnim, Wolfgang und ich sind jedenfalls schwer begeistert.
Beim Frühstück kommen wir erneut auf die „Follies“-Show von gestern Abend zu sprechen. Es war richtig klasse und die Varieté-Truppe hat uns und das Publikum auf eine phantasievolle Zeitreise zu den Goldgräbern des 19. Jahrhunderts mitgenommen.
Gegen 11.00 Uhr sind wir dann startklar für den Weiterflug nach Prince George. Aufgrund der ungünstigen Wetterprognose werden wir allerdings nicht wie geplant in Dawson Creek zum Zwischenstopp landen. Kurzfristig entscheiden wir uns für eine Kaffeepause in Dease Lake. Bevor es aber soweit ist, folgen wir in geringer Höhe wieder dem Lauf des Yukon-River und des Alaska Highway. Dann steigt das Gelände rasch an und die Rocky Mountains kommen in Sichtweite: bis zu 6.000 Meter hohe Gipfel. Schneebedeckt, steiler und noch gigantischer als die Alpen. Dazwischen unzählige Seen und Täler – wild, urwüchsig, einsam, aber auch von malerischer Idylle. Ich kann mein Staunen kaum in Worte fassen.
Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein haben wir über eine Entfernung von mindestens 100 Kilometer eine grandiose 360-Grad-Sicht auf die unendliche Weite. Dease Lake, ein Ort „in the middle of nowhere“, ist bald für eine kurze Pause erreicht und weiter geht’s Richtung Süden über die Rockys. Schon 1.000 Kilometer haben wir bis jetzt über der Bergkette zurückgelegt. Bereits vor 600 bis 700 Millionen Jahren entstanden in Nordamerika riesige Gebirge, die aber in den folgenden 400 Millionen Jahren wieder beinahe vollständig abgetragen wurden. Allein das Massiv hier unter uns stammt noch aus jener Zeit.
Auf dem heutigen Flug wechsele ich mich mit unserem Pilotenfreund Wolfgang Dondorf am Steuer ab. Auch er genießt die fliegerische Freiheit hier in Kanada. Fast drei Stunden herrscht Stille im Funkverkehr, was noch mehr dazu beiträgt, einfach den eigenen Gedanken nachhängen zu können.
Mit der Landung in British Columbia sind wir in nur kurzer Zeit 1.200 Kilometer geflogen. Kanada ist einfach wahnsinnig groß, sodass man weite Wege zurücklegen kann und immer noch in ein und demselben Land ist. Wenn ich da an Flüge innerhalb Europas denke, kann man es von der Länge her etwa mit der Route Westerwald-Barcelona vergleichen.
Hier in Prince George sind wir direkt am Fraser River und Nechako River im 3-Sterne-Hotel „Four Points“ untergebracht. Alles wieder kostenfrei organisiert von Margret Dietermann über die Agentur American Ring Travel aus Kalifornien.
In der 70.000-Einwohnerstadt lebt man hauptsächlich von der holzverarbeitenden Industrie. Sägewerke und Unternehmen, die sich auf die Sperrholzherstellung sowie Papiererzeugung spezialisiert sind, haben sich angesiedelt. Im 19. Jahrhundert war das etwas anders und die Menschen lebten noch vorwiegend vom Handel mit Pelzen.
Abends gegen 19.00 Uhr wirkt die Innenstadt fast wie ausgestorben. Uns begegnen kaum Passanten, alle Geschäfte sind schon zu, kein Auto ist weit und breit zu sehen. Auch im Steakhouse sind wir so gut wie die einzigen Gäste.
Prince George (CYXS) – 53° 54? 58.75? N, 122° 45? 1.3? W
Vancouver (CYVR) – 49° 16? 51.53? N, 123° 7? 20.78? W
Distanz: ca. 360 NM
Flugzeit: 1,5 Stunden
Tag 102, 22. Juni 2010
Nach nur einer Übernachtung fliegen wir heute schon ins 600 Kilometer entfernte Vancouver weiter. Dank der schnellen Piper Cheyenne werden wir schätzungsweise nur rund eineinhalb Stunden in der Luft sein. Per Telefon gebe ich den Flugplan auf und hole eine Wetterberatung ein. Der Mitarbeiter verabschiedet sich von mir mit: „Have a wonderful day Reiner and have a save flight“. Hier in Kanada läuft übrigens immer alles so harmonisch ab. Nochmals überfliegen wir von Ost nach Südwest die Rockys und kosten jeden Moment dieses Fluges aus.
Vom Stadtflughafen Boundary Bay, 20 Kilometer außerhalb von Vancouver, erhalten wir beim Landeanflug die Information, dass sich gleich vier Flugzeuge im Endanflug auf Piste 12 befinden. Sehr früh setze ich die Landeklappen, verringere die Speed und lande direkt hinter einer gerade abgerollten Cessna und einer kurz zuvor gestarteten Piper. Geht also auch!
Die Hafenstadt Vancouver liegt im Südwesten von British Columbia zwischen der Straße von Georgia (Golf von Georgia) und den Coast Mountains. Die Grenze zu den USA ist nur etwa 45 Kilometer entfernt. Der Name Vancouver geht auf den britischen Kapitän George Vancouver zurück, der die Region Ende des 18. Jahrhunderts erforschte und vermaß. Infolge des Fraser-Canyon-Goldrauschs in den 1860er Jahren wuchs die Einwohnerzahl der kanadischen Metropole rasant an. Und auch die Eröffnung einer transkontinentalen Eisenbahnstrecke im Jahr 1887 trug dazu bei, dass aus einer kleinen Sägewerkssiedlung innerhalb weniger Jahrzehnte eine Großstadt wurde. Ein weiterer Meilenstein in der Stadtgeschichte hängt unmittelbar mit der Eröffnung des Panamakanals 1914 zusammen. Von der damit geschaffenen direkten Exportanbindung nach Europa profitierte vor allem der Hafen. Er ist heute der größte in Kanada und exportiert mehr Güter als jeder andere Hafen in Nordamerika.
Mit meiner Familie war ich vor fast 10 Jahren schon einmal hier und hatte ausgiebig Gelegenheit die Stadt zu erkunden. Morgen machen wir drei uns dann auf den Weg, um viele Sehenswürdigkeiten anschauen und zu gucken, was sich seitdem verändert hat.
Ideal im Zentrum gelegen ist jedenfalls schon einmal unser Hotel „Rosedale on Robson“. Kurz nach der Ankunft haben wir als erstes in Erfahrung gebracht, wo man in geselliger Atmosphäre das Fußballspiel Deutschland gegen Ghana sehen kann. Angeblich soll es Downtown in „Joey’s“ Bar eine Liveübertragung geben, bei der auch andere deutsche Fans mitfiebern. Ich freu mich drauf und drück die Daumen!
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur dritten Etappe in der
FLY
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HELP-Bildergalerie hinterlegt.


