Medellin (Kolumbien)/Quito (Ecuador), Tag 125
Über den Anden
06.08.2010
Dünne Luft in Quito
„Erdenke die Welt nicht mit deinem Gehirn, sondern mit deinem Herzen. Befreie dich von den Banden der Schwerkraft. Werde frei und leicht.“ (Südamerikanisches Sprichwort aus Peru)
Medellín (SKRG) – 6° 14′ 44.66″ N, 75° 34′ 55.92″ W
Quito (SEQU) – 0° 13′ 7″ S, 78° 30′ 35″ W
Distanz: 456 NM
Flugzeit: 2 Stunden 10 Minuten
In kürzester Zeit bringt uns Taxifahrer Pedro Pablo Rivillas Garzon heute Morgen vom Hotel zum 30 Kilometer entfernt liegenden Flughafen von Medellín. Wie ein Michael Schumacher der Landstraße fegt er über den Asphalt. Was wir auf der Fa
hrt an Zeit herausgeholt haben, macht jedoch die zähe Abfertigungsprozedur wieder zunichte. Zig Formulare müssen ausgefüllt werden. Währenddessen komme ich mit Zollbeamtin Sandra ins Gespräch, die mich fragt, ob ich nicht einen deutschen Mann für sie hätte? Und ihr etwa 25-jähriger männlicher Kollege hört sich bei Jessina um, ob sie einen Freund hat. Hat sie! Er würde sie trotzdem gerne als Freundin haben. Daraus wird wohl nichts.
Nicht nur wir und unsere Papier werden gründlich geprüft, auch die Piper Cheyenne wird von Beamte und einem Drogenspürhund abgesucht: sogar die Deckenwände! Gegen 13 Uhr haben wir die Starterlaubnis und können das kolumbianische Hochland überfliegen. Der Flug heute wird nur etwas mehr als zwei Stunden dauern und uns rund 750 Kilometer weit bringen. Als wir Ecuador erreichen, müssen wir auf 19.000 Fuß steigen, um den hohen Gipfeln der Anden auszuweichen. Die Gebirgskette entstand durch den Zusammenprall zweier tektonischer Platten: der Nazca- und der Südamerikanischen-Platte. Dabei schiebt sich die Nazca-Platte von Kolumbien bis nach Patagonien mit etwa neun Zentimetern pro Jahr ostwärts, während die Südamerikanische Platte mit fünf Zentimetern im Jahr nach Westen wandert und sich über die Nazca-Platte schiebt.
Wunderschön zu sehen: Der Gipfel des knapp 6.000 Meter hohen Cotopaxi ragt aus den Wolken. Er ist einer der höchstliegenden aktiven Vulkane der Welt. In Ecuador befinden sich insgesamt 55 Vulkane, von denen 18 als aktiv eingestuft werden.
Quitos Verkehrsflughafen liegt über 10.000 Fuß hoch und zählt zu den anspruchsvollsten der Welt. Kurz vor den Be
rgen müssen wir auf den Gleitpfad, der uns direkt über die Stadt führt. Und knapp vor dem Aufsetzpunkt stehen noch Hochhäuser, weshalb ich sehr angespannt bin. Die Luft ist so dünn, dass ich ständig mehr Schub geben muss, um nicht unter „Blueline“, das heißt die Mindestgeschwindigkeit für den Anflug, zu sinken. Über drei Kilometer zieht sich die Landebahn hin. Ich nähere mich langsam mit der Cheyenne dem Boden und setzte ganz sanft auf. Arnim, Jessina und ich klatschen uns ab: geschafft!
Mit ihrem Charme handelt Jessina den Handlingagenten auf 150 Dollar inklusiver der Fahrt zum Hotel runter. Es soll eine der schnellsten Abfertigungen werden, die ich bisher mitgemacht habe. Tanken (50 Cent pro Liter), Formulare ausfüllen, Ausreisen und Abstimmen dauert kaum 35 Minuten. Es gibt weder Pass- noch Zollkontrolle.
Wir haben 18 Grad Außentemperatur, die Luft ist dünn und das Atmen fällt uns schwer. Ecuadors Hauptstadt liegt rund 20 Kilometer südlich des Äquators in einem 2.813 Meter hohen Becken der Anden. Aufgrund dieser Lage trägt die zwei Millionen Einwohner zählende Stadt den Titel der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt – noch vor der bolivianischen Hauptstadt Sucre.
Bevor wir uns ausgiebig Zeit für die Erkundung von Quito nehmen, geht es zunächst ins Hotel. Über die Hilton-Gruppe, einem Partner der FLY & HELP-Weltumrundung, kommen wir vergünstigt im Stadthotel unter (68 Dollar pro Nach). Ein klasse Haus in einem als sicher eingestuften Gebiet.
Toni Lödding, Chef von Tchibo-Reisen und ein guter Bekannter von mir, hat eine geraume Zeit bei einer Gastfamilie namens Rodriquez in Qu
ito gelebt und für mich den Kontakt hergestellt. Der Schwiegersohn von Familie Rodriquez, Theo Isler, ist Schweizer und lebt seit über 10 Jahren hier. Der 40-jährige betreibt das Unternehmen Swiss Design und holt uns zusammen mit seiner zauberhaften kolumbianischen Ehefrau Paulina vom Hotel ab. Sie zeigen uns die weitläufige, von der Kolonialzeit geprägte Altstadt bei Nacht. Ich erhasche einen ersten Blick auf einige der zahlreichen bedeutenden Bauten und Denkmäler, vor allem Klöster und Kirchen. Im Jahr 1978 ist die Altstadt Quitos als erste Stadt überhaupt in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden.
Ich bin sprachlos und unglaublich beeindruckt von diesen imposanten historischen Gebäuden – etwas in dieser Art habe ich noch nicht gesehen. Im Vorbeistreifen fühle ich mich an Wien, Rom oder auch die Altstadt von Marbella erinnert. Von einem Hügel a
us genießen wir den Blick in die Nacht auf ein Meer aus Millionen von Lichtern.
Später am Abend kehren wir alle zusammen ins frisch renovierte Boutique-Restaurant „Octava de Corpus“ ein. Hier hängen viele Gemälde bekannter Maler und der Sternekoch des Hauses bewirtet uns persönlich. Für das mehrgängige Menü, zu dem bester Rotwein serviert wird, zahlen wir für fünf Personen insgesamt nur umgerechnet 100 Euro.
Aus den Erzählungen von Theo und Paulina schöpfen wir so manchen Geheimtipp für unsere Stadtbesichtigung morgen. Außerdem wollen wir raus aufs Land fahren, denn Theo hat versprochen, uns die Besonderheiten der Äquatorregion zu zeigen.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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