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Kapstadt, Südafrika (Tag 19)

Sturm in Kapstadt

28.01.2010

Das Elend in den Townships: 12 Menschen auf 30 Quadratmetern

tl_files/fah/blog-pics/100129_Tag_19_Kapstadt/100129_Tag19_Kapstadt-Sturm.jpg„Jede Blume hat ihren Duft.“ (Weisheit aus der Kalahari)

Für heute haben wir einen Helikopter gechartert, um ins Weingebiet nach Stellenbosch zu fliegen. Viele Winzer hier haben deutsche Wurzeln. In Begleitung eines Safety-Piloten wollte ich den Robinson 44 eigentlich selbst fliegen. Über Nacht überrascht uns jedoch ein starker Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 45 Knoten. An den Flug ist nun nicht mehr zu denken.

Ich nehme mir ein Taxi zurück ins Hotel. Schnell komme ich mit Sammy, dem 25-jährigen Fahrer ins Gespräch. Er stammt aus Simbabwe, ehemals Rhodesien, und erzählt mir von seiner Familie, den Eltern und seinen neun Geschwistern. Aufgrund der Hungersnot in ihrem Land sind sie vor fünf Jahren nach Kapstadt gegangen. Wesentlich verbessert hat sich ihre Lage allerdings nicht, denn hier wohnen sie nun im Township, dem Elendsviertel in der Nähe des Flughafens. Sammy lädt mich zu sich nach Hause ein. Mir fallen Geschichten zu den Townships ein. Entgegen aller Bedenken bin ich neugierig geworden und habe Vertrauen zu ihm gefasst. Fast wirkt der junge Mann ein wenig philosophisch auf mich.tl_files/fah/blog-pics/100129_Tag_19_Kapstadt/100129_Tag19_Kapstadt-Tafelberg vom Table Bay Hotel aus.jpg

Nach 15 Minuten Fahrt haben wir unser Ziel erreicht: eine Vorstadt der Trostlosigkeit. Der Geruch von Müll liegt in der Luft. Sammy bittet mich, meine Uhr und die Kamera im Wagen zu lassen. Es gibt keine Straßen, nur Gehwege, auf denen viele Menschen unterwegs sind – ich fühle mich beobachtet. Katzen, Hunde, Kinder – alles läuft durcheinander. Die Behausungen sind aus Wellblech zusammengezimmert und werden von einer Art Kordel beisammen gehalten. Die Ritzen sind provisorisch mit Pappe ausgefüllt.

Das Haus, nein die Hütte von Sammy und seiner Familie, ist maximal 30 Quadratmeter groß: für zwölf Leute! Ich kann kaum glauben, was ich sehe. Zu allem Übel hat der Sturm ein Loch in die Außenwand gerissen. Behelfsweise haben sie ein Fass davorgestellt. Ein solches Elend habe ich noch nicht einmal in den Dörfern von Bissau oder Ghana gesehen. Welten prallen aufeinander, denn vor Minuten hab ich mir noch die Einkaufspassage Victoria Wharf angeschaut und nun das.

tl_files/fah/blog-pics/100129_Tag_19_Kapstadt/100129_Tag19_Kapstadt-Hier wohnt Sammy-Township-.jpgSammys Vater Frederik ist mit 54 Jahren in meinem Alter. Er ist ausgebildeter Lehrer und stammt aus Khami, oberhalb des Matapos Nationalparks in Simbabwe. Zurzeit jobbt er als Tagelöhner im Hafen von Kapstadt. Das Wichtigste für ihn ist, dass seine erwachsenen Kinder Arbeit haben. Ihr schmales Familieneinkommen liegt bei circa 5000 Rand (etwa 500 Euro) und muss für alle zwölf reichen! Wir unterhalten uns auf Englisch und Frederik klagt sein Leid. Seine Frau ist zurückhaltend. Sie spricht kein Englisch, nur ihren Heimatdialekt. Still reicht sie Wasser, Kaffee und ein Gebäck, das aus Kartoffeln hergestellt wurde.

An einer Wand hängt ein Kreuz – sie vertrauen auf Gott. Frederik kniet sich davor nieder und betet in seiner Muttersprache. Sammy sagt, dass er seines Bruders gedenkt, der im vergangenen Jahr gestorben ist.

Die jüngeren Geschwister basteln aus Coca-Cola- und Fantadosen Spielsachen, um sie später auf dem Cape Town Markt zu verkaufen. Sie haben mitbekommen, dass ich Pilot bin und basteln mir ein kleines Flugzeug. Ich gebe ihnen 20 Rand (etwa zwei Euro), aber sie wollen das Geld nicht annehmen. Es sei ein Geschenk und Geschenke bezahle man nicht!

Ganze drei Stunden vergehen wie im Flug und gegen 16 Uhr bringt mich Sammy zurück ins Townhouse Hotel. Für die Rückfahrt berechnet er nichts. Ich bin beschämt, ein wenig betrübt, aber dankbar und glücklich dagewesen zu sein.tl_files/fah/blog-pics/100129_Tag_19_Kapstadt/100129_Tag19_Kapstadt-Der Strand von Kapstadt.jpg

Dann erhalten wir die Nachricht, dass wir in der kommenden Woche in Ruanda eine Expedition zu den Berggorillas unternehmen können. Es wird sehr anstrengend werden, aber sicherlich einmalig.

Der Wind hat noch nicht nachgelassen und in den Straßen fliegt alles durcheinander. Wir fahren zum Sonnenuntergang nach Sea Point. Ich hänge meinen Gedanken nach und sehe immer noch Sammy und seine Familie vor mir.

Morgen treffen wir uns mit dem n-tv Kameramann Andreas am Flughafen und starten Richtung Botswana. Für neun Tage werden wir dann als Trio unterwegs sein. Wie auch auf den letzten Etappen, wollen wir uns wieder früh am Morgen auf den Weg machen. Hoffentlich kommt der Wind beim Start nicht von der Seite und im Flug von vorn. Eine Strecke von 1.100 NM und fünf Stunden Flug liegen vor uns. Wir wollen tief fliegen, um die gigantischen Elefantenherden von Botswana zu sehen.

Die schönsten Bilder zu den einzelnen FLY & HELP Etappen habe ich in unserer Bildergalerie hinterlegt!

tl_files/fah/blog-pics/100129_Tag_19_Kapstadt/100129_Tag19_Kapstadt-Farbige.jpg   tl_files/fah/blog-pics/100129_Tag_19_Kapstadt/100129_Tag19_Kapstadt-Auch das ist Kapstadt.jpg