Belém (Brasilien)/Georgetown (Guyana)/St. George's (Grenada), Tag 143 & 144
Rundflug über Grenada
25.08.2010
Hurrikansaison
„Es gibt nur eine Möglichkeit eine Prüfung zu bestehen: Man muss sich ihr stellen.“ (Sprichwort, aus dem Buch „Ich find mich“)
Belém (SBBE) – 1° 28′ 0″ S, 48° 29′ 0″ W
Georgetown (SYCJ) – 6° 47′ 0″ N, 58° 10′ 0″ W
St. George‘s (TGPY) – 12° 2′ 40″ N, 61° 44′ 30″ W
Distanz 1176 NM
Flugzeit: 6 Stunden
Tag 143, 24. August 2010
Zur Abfertigung am Flughafen von Belém ist von den Zoll- oder Passbehördenmitarbeitern keine Spur, man lässt uns ohne Kontrollen passieren und so sind wir früher als gedacht in der Luft. Wir blicken auf das brasilianische Amazonas-Delta mit Hunderten von Wasserarmen und überqueren das riesige Mündungsgebiet des Stroms in den Atlantik.
Nicht lang nach dem Start wechselt die Funksprache von Englisch und Portugiesis
ch ins Französische, denn wir haben die Grenze zu Französisch-Guyana erreicht. Unter uns liegt der Dschungel wie ein dichter grüner Teppich und gibt kaum den Blick auf bewohnte Siedlungen frei. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir das Wilhelmina-Gebirge in der Republik Suriname, an das sich erneut üppiger Dschungel anschließt. Dann wird es Zeit für den Tankstopp in Georgetown (Guyana). Der JET-A-1-Sprit ist mit einem US-Dollar pro Liter günstig. Allerdings gehen unsere Bargeldreserven langsam zur Neige – in ganz Lateinamerika konnte ich bisher nirgends mit Kreditkarte zahlen. Insgesamt habe ich jetzt noch 1.700 US-Dollar in der Tasche.
Um 13 Uhr verlassen wir Georgetown und fliegen entlang der Nordküste Venezuelas. Ins Land selbst dürfen wir nicht einreisen. Meiner Meinung nach liegt der Fehler bei der FSI, der deutschen Organisation, die sich um die Permits in Lateinamerika kümmern sollte. Aber wir wollen keine Gedanken mehr daran verschwenden und freuen uns lieber auf das, was noch vor uns liegt: die Karibik.
Doch zunächst steuere ich die Piper über den Orinoco und das gigantische Fluss-Delta. Ic
h erinnere mich an die Geschichte von Dodo, einem Studiogast meiner Radiosendung. Der Mainzer erzählte mir damals von vielen seiner Reisen, unter anderem auch an den Orinoco. Leider gilt er seit Jahren als verschollen und es wird vermutet, dass er bei einer seiner Abenteuerreisen ums Leben gekommen ist.
Wir verlassen nun Lateinamerika auf Höhe des Deltas und sehen in der Ferne schon Trinidad und Tobago. Mein guter Bekannter Biki Kuhrana war lange als Tourismusrepräsentant dieser Region in Deutschland tätig. Als wir uns dem Inselstaat nähern, sinke ich für einen tiefen Überflug. Jetzt sind es nur noch 20 Minuten bis nach Grenada. Kurz vor dem Ziel stimmen wir mit den Lotsen im Tower einen Rundflug über die Insel ab. Schnell geben sie uns die Genehmigung, in etwa 200 Metern Höhe das grüne hügelige Land zu über- und umfliegen. Schatzinselatmosphäre stellt sich ein.
Auf Grenada, der größten
Insel der Grenadinen, leben zirka 90.000 Menschen. Wir landen bei 29 Grad Außentemperatur. Der Tankwagen steht schon bereit und wie immer wird auch hier nur Bargeld akzeptiert. Mein Geldbeutel schrumpft auf 800 US-Dollar. Das muss für die nächsten 3.500 Kilometer und sechs Tage reichen. Ich setzte alle Hoffnungen darauf, dass auf den folgenden Inseln Richtung Norden Kartenzahlung möglich ist. Zur Not haben wir noch ein paar Euros dabei.
Unser Hotel Grenada Grand Beach Resort ist in die Jahre gekommen. Es hat jedoch einen unschlagbaren Vorteil: direkte Lage an einem der schönsten Strände der Welt, dem Grand Anse Bay Beach. Von den 248 Zimmern des 40 Jahre alten 3-Sterne-Hauses sind momentan nur 18 Zimmer belegt. Es ist Nebensaison, was für einen günstigen Übernachtungspreis sorgt. Auch der Strand ist leer. Unglaubliche Ruhe, während die Wellen des 30 Grad warmen Ozean an Land plätschern.
Tag 144, 25. A
ugust 2010
Nach viereinhalb Wochen Dauerprogramm legen wir heute einen Ruhetag zum Ausspannen ein. Schon morgen fliegen wir auf die anderthalb Stunden entfernte Insel Dominica, eine weitere paradiesische Karibikinsel. Auf unserem Weg liegen auch St. Vincent, St. Lucia und Martinique – die Inseln über dem Winde.
Mit leichten Bedenken beobachten wir die Entwicklung des Hurrikan Danielle. Zurzeit bewegt er sich 1.200 Meilen östlich von uns mit Stärke drei (es gibt insgesamt fünf Stufen) – gewinnt aber zunehmend an Kraft und Schnelligkeit Richtung Westen. Danielle ist der zweite Tropensturm der diesjährigen atlantischen Hurrikansaison.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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