Cusco/Machu Picchu (Peru), Tag 129
Machu Picchu: Die Stadt der Inkas
10.08.2010
Höhenkrank
„Nimm dir Zeit den Himmel zu betrachten, suche Gestalten in den Wolken. Höre das Wehen des Windes und berühre das kalte Wasser. Gehe mit leisen behutsamen Schritten. Wir sind Eindringlinge, die von einem unendlichen Universum und nur für kurze Zeit geduldet werden.“ (Weisheit der Indianer, Lateinamerika)
Gestern Abend sind wir auf einem der drei Dorfplätze von Cusco, umsäumt von Prachtbauten und Palästen aus der Kolonialzeit, spazieren gegangen. Beim Abendessen in einem schönen kleinen Restaurant lassen wir den Tag ausklingen und n-tv-Kameramann Andreas Meißner berichtet von seiner Anreise nach Peru.
Wir übernachten in dem zentral gelegenen 4-Sterne-Hotel Sonesta Posada del Inco. Auch hier haben uns die Reiseagentur SAT (South American Tours) zusammen mit Berge & Meer kostenfrei Zimmer zur V
erfügung gestellt. Das Hotel bietet sogar extra Sauerstoffversorgung auf den Zimmern an. Denn es dauert meist mehrere Tage, bis sich Besucher an den niedrigen Sauerstoffgehalt der dünnen Luft auf 3.500 Meter Höhe gewöhnt haben. Besonders in der Nacht merke ich meine Kurzatmigkeit.
Um fünf Uhr in der Früh stehen wir auf, um mit dem Bus nach Ollantaytambo zu fahren. Auf der 60-Kilometer langen Strecke überqueren wir zwei Bergpässe. Während der zweistündigen Fahrt stimmt uns SAT-Reiseleiter Jose Antonio Rossel Manzano auf die sagenumwobene Geschichte der Inkastadt Machu Picchu ein.
In Ollantaytambo angekommen wechseln wir vom Bus in den Zug. Entlang des Vistadome Valley führt die Route vorbei an einem malerischen Flusstal und kleinen Dörfern bis nach Aguas Calientes. Seit kurzem führt eine Gesellschaft, zu der auch der legendäre Orient Express gehört den Zugbetrieb. Alles ist demzufolge sehr komfortabel ausgestattet und ein Frühstück samt Getränken ist im Preis der Bahnfahrt enthalten.
Rechts und links der Strecke sehen wir über 5.000 Meter hohe, teils schneebedeckte Berge. Ende Januar hat ein gigantischer Regenschauer in dieser Gegend dafür gesorgt, dass sich Erdmassen und Gesteinsbrocken gelöst haben. Teile der Strecke wurden zerstört und so ist die Bahnverbindung erst seit einigen Wochen wieder geöffnet. Ein Glück für uns.
Nach der Ankunft in Aguas Calientes geht es weiter mit einem Kleinbus durch dichtes Grün und über enge Serpentinenstraßen hinauf zur Ruinenstadt Machu Picchu. Meine Höhenangst spielt mir heute erneut übel mit, aber ich hatte es nicht anders erwartet. Immer wieder schließe ich die Augen, um die steilen Abhänge nicht sehen zu müssen. Meine drei Begleiter haben keine Probleme und können die Fahrt genießen: Andreas filmt viel, Jessina strahlt vor Begeisterung und Arnim fotografiert gebannt – allein vom heutigen Tag sollen es am Ende 501 Foto werden.
Endlich am Ziel angekommen, ist der Anblick von Machu Picchu schier überwältigend. Im Jahr 1911 hatte der Amerikaner Hiram Binghams die verschollenen Ruinen wiederentdeckt. Schätzungen zufolge, sollen einmal zwischen 800 bis 1.000 Inkas hier gelebt haben. Man vermutet, dass die Wasserquellen versiegten und die Bewohner deshalb die Stadt verlassen haben. Wir sehen gut erhaltene Mauern, Tempel und Wasserversorgungssysteme.
Mit jeder Minute, die wir hier oben verbringen, geht es mir jedoch zusehends schlechter. Ich verkrafte die Höhe nicht. Nach vier Stunden Besichtigung treten wir die Rückreise an, bei der ich mich am meisten vor der Serpentinenstraße fürchte. Im Zug und im Bus schlafe ich viel und bekomme kaum etwas von der siebenstündigen Fahrt mit.
Die anschließende Nacht erweist sich jedoch als anstrengend, denn ich kämpfe mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Magen-Darm-Problemen. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich bekomme zusätzlich Sauerstoff und hoffe inständig, dass alles bald vorüber ist. Schon morgen muss ich wieder fit sein, weil wir mit der Parlamentarierin Hilaria Supa Huaman verabredet sind. Gemeinsam wollen wir unter anderem eine traditionelle Musikgruppe besuchen. Ihr ist es wichtig, dass wir die Ursprünge der peruanischen Musik kennenlernen.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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