Santiago de Chile (Chile)/Buenos Aires (Argentinien), Tag 134
Heftige Luftverwirbelungen
15.08.2010
Tango auf den Straßen von Buenos Aires
„Das Universum wird dir seine Schönheit offenbaren, und jeder Augenblick deines Lebens wird wie der erste Sonnenstrahl am Morgen sein.“ (Weisheit der Indianer)
Santiago de Chile (SCEL) – 33° 27′ 0″ S, 70° 40′ 0″ W
Buenos Aires (SABE) – 34° 35′ 59″ S, 58° 22′ 55″ W
Distanz: 646 NM
Flugzeit: 3 Stunden
Per E-Mail habe ich von meinem Arzt aus Hachenburg wertvolle Tipps bekommen, wie ich die schon seit sechs Tagen andauernden gesundheitlichen Beschwerden in den Griff bekommen kann. Langsam bin ich der Sache überdrüssig und stelle fest, dass ich mittlerweile sogar fünf Kilo abgenommen habe.
Die Nacht war wieder unruhig und ich habe kaum geschlafen. Früh am Morgen sind
wir jedoch schon auf dem Weg zum internationalen Flugplatz von Santiago de Chile. Für die Abfertigung haben sich Arnim und Jessina mit einem Polizisten verständigt, der uns durch alle Kontrollen begleiten wird. Damit entfällt der Handlingagent und wir sparen eine Menge Geld. Insgesamt fallen nur 37 Dollar Gebühren an – bisher der günstigste Flugplatzaufenthalt in ganz Lateinamerika.
Richtung Osten geht es kurz nach dem Start für uns über die sich hoch auftürmenden verschneiten Gipfel der Anden. Keine Wolke zeigt sich am Himmel, stattdessen freie Fernsicht. Ich glaube, die Alpen werden uns zukünftig klein vorkommen im Vergleich zu diesem mächtigen, erhabenen Gebirge. Wir fliegen 21.000 Fuß hoch, knapp über den Gipfeln und haben Rückenwind von über 70 Knoten. Von der Pazifikküste geht es heute an den Atlantik.
Nach einiger Zeit erreichen wir den Übergang vom Hochgebirge zur argentinischen Pampa und es kommt was kommen muss: Die Lee-Wirkung bzw. heftigste Luftverwirbelungen. Für etwa zehn Minuten werden wir in der Piper durchgerüttelt und -geschüttelt. Nicht nur für Jessina und Andreas ist diese Erfahrung heftig, auch für mich als Pilot ist es eine Herausforderung. Was bin ich froh, mit der Piper Cheyenne fliegen zu können. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, mit meiner Piper Seneca unterwegs zu sein – so wie es eigentlich einmal geplant war.
Als erfahrener Pilot ke
nnt Arnim solche Situationen zur Genüge. Er beruhigt immer wieder und erklärt das Phänomen verständlich. Wie von ihm prophezeit ist der ganze Spuk nach zehn Minuten vorbei und es kehrt absolute Ruhe ein. Die nächsten zwei Stunden geht es recht unspektakulär über die Grassteppe. Dabei sinken wir auf 7.000 Fuß und können sogar zahlreiche Rinderfarmen ausmachen. Ich freue mich schon auf ein schönes Steak heute Abend.
Zwischendurch erhalten wir per Funk die Information, dass wir nicht auf dem Stadtflughafen in Buenos Aires landen dürfen. Es würde wohl eine Genehmigung fehlen. Arnim und ich sind verwundert und können uns nicht erklären, was denn nun fehlt. Auch der Controller im Funk ist ratlos. Als Ausweichflughafen benennt man uns den nur zehn Minuten entfernten San Fernando Airport. Kein Problem für uns, wir sind bestens ausgestattet und haben Anflugblätter von diesem Flughafen dabei. Auf dem Platz sind alle sehr hilfsbereit und freundlich, so ist die Cheyenne in kürzester Zeit betankt und auch die Einreiseformalitäten sowie die Abfertigung sind erledigt. Anschließend geht es mit dem Taxi ins zentral gelegene Hilton Hotel.
Am Hotelempfang wartet schon Andrea Diehlmann von SAT (South American Tours) auf uns. Wir sind zu einer Stadtrundfahrt durch die Hauptstadt Argentiniens eingeladen. Reiseleiterin Ursula Gnehm lebt seit mehr als 30 Jahren hier und zeigt uns die schönsten Plätze „ihrer“ Stadt.
In Buenos Aires leben über drei Millionen Menschen – ein Schmelztiegel der Nationen und Kulturen. Auf den Straßen des Künstlerviertels, einem ursprünglichen Stadtteil, wird Tango getanzt und Musiker begleiten den Tanz leidenschaftlich – bei kühlen 10 Grad! Viele Häuser sind stark renovierungsbedürftig und ich sehe Menschen, die in sehr armen Verhältnissen und teilweise noch in Wellblechhütten leben.
Ursula führt uns a
uch am Boca Stadion, dem zweiten Zuhause Maradonas, vorbei. Überhaupt ist sein Konterfei an vielen Hauswänden zu sehen. Der Mann ist einfach omnipräsent. Die Liebe zum Fußballspiel hat die Kinder und Jugendlichen in ihren Bann gezogen – sie spielen auf den Straßen und im kleinsten Hinterhof. Weiter geht es entlang zahlreicher Kirchen, großer Plätze und dem berühmten Präsidentenpalast. Es wird schnell dunkel und so haben wir einen schönen Blick auf das hell angestrahlte National Museum der bildenden Kunst und das Historische Museum. Auf der breitesten Straße der Welt, der Avenida 9 de Julio, geht es vorbei am Obelisken: einem fast 70 Meter hohen Denkmal, das anlässlich des 400-jährigen Stadtjubiläums in den 1930er-Jahren aufgestellt wurde. Auf dem Plaza de Mayo, wo vor 200 Jahren die Unabhängigkeit von Spanien erklärt wurde, protestieren heute die Veteranen des Falklandkrieges. Sie warten noch immer auf eine Entschädigung und Anerkennung.
Für morgen sind wir vom Besitzer der Reiseagentur South American Tours, Federico Büker, auf seine Estancia La Fortuna eingeladen. Es geht 400 Kilometer weit raus aufs Land und wir werden den Gauchos, den Viehzüchtern, bei ihrer harten Arbeit über die Schulter schauen. Außerdem besuchen wir ein von Federico unterstütztes Heim, in dem Kinder betreut werden, die am Down-Syndrom erkrankt sind.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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