Guatemala City und Antigua (Guatemala) , Tag 120
Guatemala City – Kriminalität und ein rauchender Vulkan
01.08.2010
Das koloniale Erbe Antiguas
„Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“ (Alexander von Humboldt)
Welche Vorsicht in Guatemala City herrscht, um nicht Opfer von Überfällen zu werden, bekommen wir heute eindrücklich zu spüren. Abends um 20 Uhr will uns Hotelmitarbeiter Marco nicht mehr allein zum nur zwei Blocks entfernten Restaurant Kakao gehen lassen. Zwar hält er den Weg für relativ sicher, doch kaum als wir die Haustür verlassen, winkt uns ein Autofahrer heran. Marco hat ihn geschickt, um uns die fünf Minuten bis zum Restaurant zu fahren. Im Kakao genießen wir die typische Landesküche (Kosten: 20 Euro für drei Personen). Auch auf dem Heimweg haben wir wieder einen umsichtigen Begleiter bis zum Barcelo Hotel.
Der schlechte Ruf der Stadt hinsichtlich der Kriminalitätsrate und in Sicherheitsfragen wird nicht zuletzt durch aufsehenerregende Gewalttaten geschürt, wie Marco berichtet. Im vergangenen Jahr soll ein Tourist von einer aufgebrachten Menge getötet worden sein, weil er ein Kind fotografiert hatte. Hintergrund ist, dass Kinder oft für Organtransplantationen verschleppt werden und die Menschen Angst hatten, eben dieses Kind würde hierfür missbraucht und deshalb fotografiert.
Häufig komme es zudem vor, dass Menschen entführt werden, während sie an einem ATM-Automaten Geld abheben. Wir nehmen all diese Warnungen sehr ernst und bewegen uns äußerst vorsichtig durch die Stadt. Unser Hotel liegt in der Zone neun, einem relativ sicheren Ort. Vermummte Angehörige des Militärs sind allgegenwärtig, denn auch die politische Lage Guatemalas ist angespannt.
Guatemala City befindet sich auf 1.700 Meter Höhe und vor den Toren der Stadt thront der aktive Vulkan Pacaya. Beständig weht eine feine Aschewolke aus dem Schlot, was irgendwie gespenstisch und beängstigend wirkt.
Ungeachtet dessen, machen wir uns bei warmen 25 Grad auf, um die Stadt zu erkunden. Unser Fahrer und Guide für diesen Tag ist dem Hotel bestens bekannt. Man rät uns davon ab, einen Taxifahrer auf eigene Faust zu suchen, da auch bei diesem Thema die wildesten Geschichten kursieren. So stellt sich ein gut gelaunter Roberto Esquived vor, 44 Jahre, verheiratet und Vater dreier Kinder im Alter von vier, elf und 19 Jahren. Wir einigen uns auf 100 Dollar für den kompletten Tag inklusive der Fahrt nach Antigua.
Entlang imposanter Kolonialbauten starten wir unseren Streifzug durch die Hauptstadt Guatemalas. Weit mehr als 2.000 Jahre lässt sich die Besiedlungsgeschichte, zunächst von den Maya, zurückverfolgen. Heute leben etwa eine Million Menschen direkt in der Stadt und Schätzungen zufolge nochmals bis zu vier Millionen am Stadtrand. Eine unserer ersten Stationen ist der Präsidentenpalast Palacio Nacional und das alte Postgebäude, noch aus der Zeit der Spanier. Wir schlendern durch die Straßen und über den zentralen Marktplatz. Die Menschen begegnen uns freundlich, ihre Gesichter strahlen und wir können die dunkle Seite dieses Ortes ganz gut ausblenden.
Im Anschluss geht es etwa eine Stunde über Land nach Antigua, einer Kleinstadt im zentralen Hochland mit rund 35.000 Einwohnern. Von 1543 bis 1773 war sie die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika. Aufgrund ihrer barocken Kolonialbauten gehört Antigua seit 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe.
Schon bei der Ankunft wird deutlich, dass die Stadt eine der touristischen Hochburgen Guatemalas ist. Das Zusammenspiel von barocker Pracht und einem beeindruckenden Blick auf die Vulkane Agua, Acatenango und den noch aktiven Fuego ist einmalig.
Wie ein Schwamm sauge ich jede Minuten unseres Aufenthaltes in dieser außergewöhnlich schönen Stadt auf. Immer wieder halten wir und lauschen den spannenden Erklärungen Robertos. Meine Tochter Jessina übersetzt alles perfekt und mit großer Ausdauer. Der Stolz auf sein Land wird in jedem von Roberto
s Worten deutlich.
Gegen 16 Uhr erreichen wir müde und erschöpft das Hotel. Beim Abendessen erzählt jeder von uns, was ihm an diesem Tag am besten gefallen hat. Die vielen Eindrücken sind einfach überwältigend und kostbar auf ewig. Ich werde das Land mit positiven Gefühlen in Erinnerung behalten.
Morgen fliegen wir weiter in Costa Ricas Hauptstadt San Jose.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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