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Nyinawimana

Besuch der Schule in Nyinawimana

04.02.2010

Was für ein Tag in meinem Leben

Kinder sind das Licht der Welt


tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Die Ankunft.JPG26. Tag Ruanda, Nyinawimana

Ich habe die Nacht kaum schlafen können – wir besuchen unser Hilfsprojekt hier in Ruanda, in Nyinawimana. Darauf freue ich mich bereits seit Monaten. Immer wieder habe ich mir schon zu Hause vorgestellt, wie die Kinder und Lehrer mich empfangen werden, wie weit der Ausbau der Schule vorangeschritten ist und und und. Nun ist es endlich soweit – es ist der Höhepunkt unserer ersten Etappe der Weltumrundung.

Richard, der während tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Begruessung knieend.JPGunseres gesamten Aufenthalts in Ruanda unser Fahrer ist, holt uns bereits frühmorgens bei unserem Hotel ab. Wir fahren von Kigali gut 100 Kilometer Richtung Norden. Zum Glück regnet es heute nicht, denn die geteerte Straße verwandelt sich sehr schnell in eine einfache Lehmpiste – ein Schlagloch neben dem anderen machen den Weg zu einer sehr holprigen Angelegenheit. Ich hatte ja bereits vor einigen Tagen berichtet, dass ich unter Höhenangst leide – ich werde wieder auf die Probe gestellt. Es geht immer steiler bergauf, direkt neben der Piste tun sich hundert Meter tiefe Abhänge auf. Hier gibt es keine Leitplanken, keine Sicherheit – das Tempo ist trotzdem ziemlich rasant. Aber Richard ist ein guter Fahrer und ich fühle mich sicher. Entlang der Strecke zur Schule in die kleine Pfarrei Nyinawimana erstrecken sich Berge, Hügel und unendliche Reisfelder, auf denen Frauen und Männer bei tropischen Temperaturen schwer arbeiten.

tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Die Kinder tanzen.JPGDann endlich, pünktlich um 10 Uhr, kommen wir zur Pfarrei Nyinawimana – mein Herz schlägt schneller und meine Hände werden feucht, ich bin so gespannt. Wir biegen links ab. Und glaubt mir, das ist ein Bild, das ich niemals vergessen werden: Von den 2.699 Mädchen und Jungen, die diese Schule besuchen, stehen fast die Hälfte für uns Spalier. 1.300 Kinder geben uns einen herzlichen Empfang, die Gasse ist fast sechs Meter lang – ich bin überwältigt und weiß gar nicht, wie mir geschieht.

Ich sitze noch im Auto und muss kurz die Augen schließen. Einmal tief durchatmen. Dann steige ich aus und gehe auf die ersten Kinder zu. Es ist mucksmäuschenstill. Die Kinder beäugen mich etwas schüchtern. Ich möchte am liebsten alle persönlich begrüßen. So gehe ich auf die ersten zu und gebe ihnen die Hand, umarme sie und frage nach ihren Namen. Die Schüler sind alle zwischen vier und 14 Jahre alt – sie sind alle sehr, sehr höflich und zurückhaltend. Doch je mehr ich mit ihnen spreche, umso gelöster wird die Atmosphäre. Von allen Seiten kommen sie nun auf mich zu – sie lachen, kichern, berühren mich und schauen mich mit großen Augen an. Es ist schwer diese Gefühle in Worte zu fassen, es ist einfach ein unbeschreiblicher Moment.  

Arnim und Andreas fotografieren und filmen die Szenen. Auch sie werden von Kinderscharen umzingelt, die ganz fasziniert von den Kameras sind. Wir drei schauen uns kurz an und ich merke, dass es ihnen genauso wie mir geht. Wir werden von den Gefühlen überwältigt und sind sehr betroffen. 

Ich komme auf dem Schulhof kaum voran, so viele Kinder stehen um mich herum. Ich höre nur, dass irgendwo im tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Tausend Haende.JPGHintergrund ein Schülerchor zu singen anfängt, und eine Gruppe von Jungen und Mädchen führen landestypische Tänze auf. Die Stimmung wird immer gelassener und die Neugierde besiegt die anfängliche Schüchternheit. Ich habe das Gefühl, dass mich alle 1.300 Schüler auf einmal berühren wollen, viele kleine Händchen, die nach meinen Armen greifen. Ich nehme einen kleinen Jungen auf den Arm und streichel ihm über die Wange. Wir werden nun von den Kindern fast erdrückt. Die Lehrer beruhigen sie.

Es ist so wunderschön mit den Kleinen. Nun kann ich nicht mehr zurückhalten und mir kommen die Tränen.

Viele Kinder sind ärmlich bekleidet und sind barfuß in die Schule gekommen. Sie kommen den weiten Weg aus den Bergdörfern tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Reiner mit Kind auf dem Arm.JPGhierher gelaufen, oft viele Kilometer. In der Schule unterrichten insgesamt 39 Lehrer die 2.699 Schülerinnen und Schüler. Die Klassen sind alle überfüllt und mehr als ein Unterricht in den Grundfächern Rechnen, Lesen, Schreiben ist hier nicht möglich. Und es kommen immer mehr Kinder von den Dörfern in die Schule. Obwohl viele Eltern das Schulgeld (40 Cent /Monat) kaum aufbringen können, schicken sie ihre Kinder in die Schule. Weil es ihnen einmal besser gehen soll.

Father Dion Mbomimpa zeigt mit seinen Lehrerkollegen stolz die vier neuen Klassenzimmer. Der Ausbau der Schule und die Sanierung dertl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Lehrpersonal vor dem Neubau.JPG Toiletten wurden mit den Spendengeldern von meiner Stiftung FLY & HELP gefördert. Die Arbeiten sind immer noch im vollen Gange, auch an diesem Tag. Der Rohbau steht nun und in zwei Monaten soll alles fertig sein. Mit unserer Förderung haben die Kinder mehr Platz in ihren Klassen und können so besser am Unterricht teilnehmen. Die Räume platzen aus allen Nähten. Außerdem haben die vielen Handwerker, die mit dem Ausbau beschäftigt sind, eine Arbeit gefunden. So haben wir mit „nur“ 30.000 Euro sehr viel erreichen können. Die Dankbarkeit, die mir entgegen gebracht wird, ist unermesslich.

Dann folgt der offizielle Teil: Umringt von den vielen Kindern stehen in einem Kreis Stühle und Tische; ich soll in der Mitte sitzen. Zuerst hält der der Leiter der Provincia du Nord, zu der die Schule gehört, eine kurze Rede. Ihm folgt der Schulleiter Ndayizeye Anastase. Er spricht den Genozid an – ich habe gestern in der Gedenkstätte viel davon erfahren. Hier an der Schule gibt es sehr viele Kinder, die ihre Eltern und Geschwister in diesem entsetzlichen Krieg tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-offizielle Begruessung.JPGverloren haben. Die Schule ist für sie ein Ort der Geborgenheit und Zuflucht geworden. Es ist schön zu sehen, dass auch 36 behinderte Kinder in diese Schule integriert sind, sie lernen gemeinsam mit den anderen Schülern.

Dann bin ich an der Reihe, ich soll die Abschlussrede halten. Martin Jäger, der Entwicklungsleiter des Projektes übersetzt vom Deutschen ins Französische und der Schulleiter übersetzt für die Kinder noch einmal in die Landessprachen Kinyarwanda. Den Mädchen und Jungen möchte ich auf den Weg geben, was sie alles erreichen können, wenn sie Rechnen, Lesen und Schreiben lernen. Ich motiviere sie, sich anzustrengen. Dann erzähle ich ihnen von meinem Land, und dass auch sie die Chance haben, fremde Länder zu besuchen. Dafür ist es gut, wenn sie verschiedene Sprachen lernen. Zukünftig soll an ihrer Schule auch Französisch und Englisch unterrichtet werden. Zwischendurch klatschen die Kinder, sobald sie die Übersetzungen hören.

Ich hole einen kleinen Zettel hervor: Dort habe ich mir zwei kurze Sätze in der Landessprache notiert – eigentlich kann ich sie auswendig, aber ich merke, wie meine Stimme leicht zittert. Ich verabschiede mich mit den Worten: Mura Kosse Chane (Danke für Eure Gastfreundschaft). I Mana ibahe umugisha (Gott beschütze Euch alle). Die Kinder freuen sich sehr darüber und klatschen unaufhörlich. Sie beginnen wieder zu tanzen und fordern mich nun auf, mitzumachen. Da hält mich natürlich nichts mehr auf meinem Stuhl. Wir tanzen ausgelassen und auf allen tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Erdkundeunterricht.JPGKindergesichtern kann ich ein breites, fröhliches Lachen sehen.

Zum Abschluss verteile ich an alle Geschenke: Weltkarten, Filzschreiber, Spieluhren von TCHIBO, Kulis von der WW Bank, Fußbälle von der Ruandahilfe Hachenburg und vieles mehr. In der Schule wird eine Urkunde aufgehängt. Auf ihr stehen die Namen der Großspender und vieler Kleinspender, mit deren Hilfe der Ausbau erst ermöglicht werden konnte. Und denen ich hier auch noch einmal danken möchte: den Firmen Fuhrländer und HESS (Stefan Ginsberg) sowie Berge & Meer.

Die Verabschiedung von den Kindern und den Lehrern ist umwerfend – wir sind alle Freunde geworden. Ich möchte unbedingt wiederkommen und weitere Unterstützung geben. Diesen Tag werde ich in meinem ganzen Leben nicht vergessen. Die Kinder haben es verdient, dass wir uns für sie einsetzten.

Die folgende sechsstündige Fahrt läuft etwas schweigsam – wir alle verarbeiten die Eindrücke, Gedanken und Gefühle des Tages.

Die 250 Kilometer lange Strecke führt über Waldwege, Feldwege und Gebirge. Wir fahren ausschließlich über Lehmstraßen, die nicht breiter als 2,50 Meter und sehr holprig sind. Es geht gen Norden. In allen Dörfern, durch die wir fahren, winkt uns jeder zu. Immer wieder stehen Kinder am Straßenrand winken, rennen hinter uns her und tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Das Winken beim Abschied.JPGrufen: Umuzungu (ein Weißer ).

Arnim meint, ich hätte sicher schon einen Wackelarm: Wir haben wirklich jedem gewinkt. Es sind uns überall nur freundliche Menschen begegnet.

Am Ende des Tages haben wir steile, bis zu 3.000 Meter hohe Pässe überwunden und sind wieder fast einen Kilometer steile Abhänge hinunter gefahren. Wir haben Blut und Wasser geschwitzt. Aber Richard ist ein guter Fahrer.
Morgen wollen wir im Grenzgebiet zu Ruanda frühmorgens zu den Berggorillas. Hoffentlich finden wir sie.

Doch dieser Tag war einfach unvergesslich und ich werde noch lange an die Kinder denken.

Die schönsten Bilder zu den einzelnen FLY & HELP Etappen habe ich in unserer Bildergalerie hinterlegt!

tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Begruessung der Kleinen.JPG   tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Die Lehrer, Arnim Stief und Reiner Meutsch.JPG
tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Der Neubau.JPG   tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Projektentwickler Martin Jaeger.JPG
tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Reiner begruesst einen Bauarbeiter.JPG   tl_files/fah/blog-pics/100205_Tag_26_Besuch_der_schule/100205_Tag26_Ruanda-Reiner mit Kinder.JPG