Headline Blog

Buenos Aires/Salto (Argentinien), Tag 135

Gauchos und Pferde in Salto

16.08.2010

Ein Geschenk zum Abschied

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/136_Tag135_Buenos Aires-Salto_Ein Gaucho begruesst Reiner Meutsch.jpg„Vergangenes kann man nicht ändern, aber sich kann man ändern – für die Zukunft.“ (Hans Fallada)

Kalt ist es heute Morgen in Buenos Aires, nur vier Grad. Wir steigen schnell in den Kleinbus und treten die Fahrt zur Estancia, so nennt man in Argentinien eine Farm, von Frederico Büker an. Durch ein Straßengewirr geht es auf die Autobahn 7. Nichts los, kaum Verkehr. Am Straßenrand hat sich viel Plastikmüll angesammelt – ich muss an unseren Besuch in Ruanda denken und wie sauber es dort war, weil laut Präsidentenverordnung keine Plastiktüten verwendet werden dürfen.

Rechts und links des Weges durch die fruchtbtl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/137_Tag135_Buenos Aires-Salto_Reiner Meutsch mit Frederico Bueker vor seinem Anwesen.jpgare Pampa liegen zahlreiche Farmen mit tausenden von Rindern, Kühen und Pferden. Das Land ist flach und aufgrund der heftigen Regenfälle der letzten Wochen sehr feucht. Reiseleiterin Ursula Gnehm erzählt nebenher von der Geschichte Argentiniens und kommt auch auf die vielen Pferde im Land zu sprechen – rund sieben Millionen sollen es sein. Auf Fredericos Estancia werden wir Gelegenheit haben, die schönen Tiere zu bewundern und mehr über die Arbeit der Viehzüchter zu erfahren.

Nach zwei Stunden Fahrt passieren wir das Eingangstor der Farm in Salto und werden von einem Gaucho hoch zu Ross mit wehender deutscher Fahne empfangen. Er begleitet uns über das 500 Hektar große Gelände bis zum Haupthaus, wo Frederico Büker schon wartet. Der 48-jährige ist Inhaber der größten Itl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/139_Tag135_Buenos Aires-Salto_Ein Gauchos traegt einen mit Muenzen reich verzierten Guertel.jpgncoming-Agentur Lateinamerikas: South American Tours. 20 Jahre habe ich über Berge & Meer mit ihm zusammengearbeitet. Die letzte Begegnung liegt schon lang zurück, so dass es viel zu erzählen gibt. Frederico pendelt immer mal wieder zwischen Argentinien und Deutschland, besucht unter der Woche aber hauptsächlich viele seiner in ganz Lateinamerika verstreuten Büros. Die Wochenenden gehören der Familie, seiner Frau und den Drillingen.

Nach der Begrüßung haben wir die Gelegenheit mit ein paar Farmarbeitern ins Gespräch zu kommen. Stolz zeigen sie uns ihre reich mit Silber- und Goldmünzen geschmückten Gürtel. Weil sie wenig Vertrauen in die Banken haben, tragen sie ihre Ersparnisse auf diese Weise immer bei sich. Auch ein scharfes Messer gehört zur Grundausstattung.

Uns zu Ehren wurde am Vortag ein Rind geschlachtet und man hat viele Gäste eingeladen. Freunde von Frederico und eine große Anzahl an Familienmitgliedern sind gekommen. Die Gerichte sind üppig und schmecken außergewöhnlich gut. Im Anschluss gibt es sogar ein kleines Programm, bei dem einige Gauchos ihr Können im Umgang mit den Pferden zeigen.

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/142_Tag135_Buenos Aires-Salto_Reiner Meutsch besucht die Bewohner eines Heims fuer Down-Syndrom-Betroffene.jpgAuf dem Gelände der Farm besuchen wir mit Frederico ein Wohnheim, in dem 48 junge Erwachsene, die vom Down-Syndrom betroffen sind, betreut werden. Von montags bis freitags sind sie hier gut aufgehoben und werden gefördert. An den Wochenenden geht es zurück zu den Familien. Frederico berichtet jedoch, dass es Probleme mit den Angehörigen gibt, weil sie keine behindertengerechte Betreuung und Fürsorge übernehmen. In schlimmen Fällen soll es schon vorgekommen sein, dass die Menschen einfach mit Schlaftabletten übers Wochenende ruhig gestellt wurden. Allein die Vorstellung ist schrecklich für mich.

Deshalb hat Frederico das Ziel, sobald wie möglich ein zweites Heim für die Wochenendbetreuung zu eröffnen. Er hängt sehr an den Menschen und auch sie haben ihn in ihr Herz geschlossen: Das wird in jeder Minute deutlich, die wir hier gemeinsam verbringen. Zum Abschied bekomme ich von Nestor, einem liebenswürdigen Bewohner, ein wunderschönes, selbstgemaltes Bild geschenkt. Es zeigt das Haus, das einmal Wohnheim werden soll. Wir alle sind sehr bewegt.

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/143_Tag135_Buenos Aires-Salto_Reiner Meutsch bekommt ein Bild von Heimbewohner Nestor geschenkt.jpgIm Wohnheim kümmert man sich nicht nur um die Betreuung, sondern auch die Bildung der jungen Bewohner. Sie sollen so viele Chancen wie möglich im Leben ergreifen können – eine zeitintensive, anspruchsvolle Aufgabe. Ich konnte mir von der Situation vor Ort einen sehr guten Eindruck verschaffen und stelle Frederico deshalb die Förderung durch die FLY & HELP-Stiftung in Aussicht.

Spätnachmittags müssen wir uns auf den Rückweg machen. Die Verabschiedung ist herzlich und warm – aus Fremden sind Freunde geworden. Man bittet uns, recht bald wiederzukommen. Das werden wir!

Gegen 20 Uhr sind wir zurück in Buenos Aires. Alle sind müde und geschafft von diesem aufregenden Tag. Schon morgen steht ein siebenstündiger Flug nach Rio de Janeiro samt Zwischenlandung auf dem Plan. In der zweitgrößten Stadt Brasiliens sind wir mit meinem Freund Gerhard Schneider verabredet. Beinahe zwei Jahrzehnte es ist jetzt her, dass er von Höhr-Grenzhausen nach Lateinamerika ausgewandert ist.

Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der FLY & HELP-Bildergalerie hinterlegt.

tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/140_Tag135_Buenos Aires-Salto_Ein Gaucho.jpg   tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/138_Tag135_Buenos Aires-Salto_Tangotaenzer zeigen ihr Koennen.jpg
tl_files/fah/galleries/4. Etappe Lateinamerika/141_Tag135_Buenos Aires-Salto_Jessina Meutsch hoch zu Ross vor dem Ausritt mit einem Gaucho.jpg