San José (Costa Rica)/ Medellin (Kolumbien), Tag 123 & 124
Flug über den Panamakanal
05.08.2010
Das Blumenfest
„Schenke das, was du selbst gern empfangen würdest und der Geist der Natur wird dich mit seinen Wohltaten überschütten – an jedem Tag deines Lebens.“ (Indianische Weisheit)
San José (MROC) – 9° 55′ 29″ N, 84° 4′ 41″ W
Medellín (SKRG) – 6° 14′ 44.66″ N, 75° 34′ 55.92″ W
Distanz: 543 NM
Flugzeit: 3 Stunden
Tag 123, 4. August 2010
Heute verlassen wir Costa Rica und nehmen Kurs auf Kolumbien. Nicht ganz unbefangen, denn auch hier ist allgemein bekannt, dass die Sicherheitslage angespannt und die
Gewaltbereitschaft hoch ist. Arnim, Jessina und ich sind jedoch gespannt auf dieses faszinierende Land.
Nach dem Start in San José überfliegen wir noch einmal riesige Kaffeeplantagen und aktive Vulkane – wie auf einem Pulverfass leben die Menschen hier. Wir fliegen in 11.000 Fuß Höhe und schon bald zeigen sich links das Karibische Meer und sehr weit rechts der Pazifik. Die Berge im Grenzgebiet zu Panama sind über 3.000 Meter hoch. Die Landschaft unter uns ist so gut wie menschenleer – nur unwegsames Gelände und braunfarbende Flussläufe.
Nach rund anderthalb Stunden Flug kommt der Panamakanal in Sichtweite. Wir erhalten die Erlaubnis auf 4.000 Fuß zu sinken und links vom Kanal unter Sichtflugbedi
ngungen zu fliegen. Der Kanal ist eine künstliche, knapp 82 Kilometer lange Wasserstraße, die den Atlantik mit dem Pazifik für die Schifffahrt verbindet. Die Inbetriebnahme erfolgte im August 1914. Überlegungen zum Bau eines Kanals gehen jedoch schon bis in das 16. Jahrhundert zurück, als die Landenge Panamas erstmals durchfahren wurde. Heute zählt die Passage zu den wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Drei Mal kreisen wir über Teilen des monumentalen Bauwerks und beobachten die vielen dahin ziehenden Schiffe. Am Ende des Kanals liegen unter uns die monumentale Schleuse zum Pazifik und die Stadt Panama. Wolkenkratzer beherrschen das Stadtbild und die Flugsicherung erlaubt auch hier zwei Vollkreise.
30 Minuten später treffen wir auf die Pazifikküste und erreichen Kolumbien. Die Luft ist klar und wir können 100 Kilometer weit in die Ferne schauen. Eine weitere Dreiviertelstunde vergeht, bis wir uns auf die Landung in Medellín vorbereiten können. Die Stadt liegt auf 1.600 Meter in einem Talkessel und der Flughafen selbst in einer Höhe von 2.500 Meter. Dank Jessinas Übersetzung geht die Abfertigung zügig vonstatten. Mit einem Lächeln beobachte ich, wie das Militärpersonal mit ihr flirtet. Es werden gegenseitig Erinnerungsfotos gemacht.
Medellín ist mit mehr als 2,2 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kolumbiens. Wie der Beiname „Capital de las Flores“ unschwer erahnen lässt, ist sie vor allem für ihre Gartenanlagen und Blumen berühmt. Besonders die Vielfalt der Orchideen wird hoch geschätzt. Sie werden extra für den Export in die USA, Europa und Asien gezüchtet. Dieser Tage wird das Blumenfest, die „Feria de las Flores“, gefeiert. Alles ist geschmückt und die Stadt strahlt vor Glanz und Schönheit. Seit 1957 gibt es das Fest. Es steht für die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges.
Am Abend besuchen wir den Parque Cultural Nocturno. Tausende Menschen feiern ausgelassen bei kostenfreiem Eintritt bis tief in die Nacht. Zig Folkloregruppen treten auf und sorgen für Stimmung und wir sind mittendrin im Volksfestgetümmel.
Spät nachts kehren wir zurück ins Hotel Porton Medellín (81 US-Dollar pro Nacht inkl. Frühstück). Eine der besten Adressen der Stadt.
Tag 124, 5. August 2010
Taxifahrten sind in Medellín sehr günstig. Für eine Stunde zahlt man zirka 20.000 Pesos, um die 12 US-Dollar. Ich finde diese Fahrten eignen sich am besten zum Kennenlernen einer Stadt. Oftmals bewegt man sich dabei abseits der touristischen Pfade und kann die Ursprünglichkeit, das Alltagsleben ungefiltert mitbekommen.
Noch in den 1980er Jahren litt das öffentliche Leben unter der Drogenmafia des Medellín-Kartells, das eine führende Rolle im weltweiten Handel mit Kokain einnahm. Doch die Lage hat sich in den letzten Jahren verbessert. Zumindest wir fü
hlen uns hier und heute sicher.
Mit dem Taxi steuern wir zunächst den Botanischen Garten an und besuchen das Orquideorama. Eine Sammlung von über 1.600 verschiedenen Orchideenarten: davon eine schöner als die andere. Dann geht es weiter zum Museo de Antioquia und der Plaza Botero, vorbei an historischen Kirchen und moderner Gebäuden. Viele Grünflächen ziehen sich durch die Stadt und alles ist sauber und gepflegt. Besonders schön ist es in Cerro Nutibara, dem “alten“ Medellín, mit seinen unzähligen gut erhaltenen Bauwerken. Für mein Empfinden lässt sich die Stadt in Teilen durchaus mit San Francisco vergleichen.
Am Ende des Tages bummeln wir durch das moderne Einkaufzentrum
„Santa Fe“ und kehren in ein typisch kolumbianisches Restaurant ein. Die Aussicht auf die Stadt ist zauberhaft. Ein lauer Wind weht und wir sitzen draußen, was sich bei 23 Grad um 22 Uhr recht gut aushalten lässt.
Morgen geht’s in Ecuadors Hauptstadt Quito. Wir sind gespannt, wie wir die Höhe von 4.000 Meter dort verkraften werden.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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