Windhoek, Namibia
Fliegen ist meine Leidenschaft
26.01.2010
Von Mokuti nach Windhoek
„Das Auge des Herzen sieht vieles.“ (Weisheit der Swahili)
Mokuti Lodge Airport, Namibia (FYMO)
17° 3’ 0” E, 18° 48’ 30” S
Windhoek, Namibia (FYWH)
22° 34? 12? S, 17° 5? 1? E -22.57°, 17.083611°
Flugzeit: 68 Minuten
Distanz: 226 NM
Wie auch in der Nacht zuvor, wurden wir heute erneut vom Löwengebrüll aus dem Schlaf gerissen. Das Thema bestimmte ein weiteres Mal unsere Frühstücksrunde. Dann heißt es Abschied nehmen. Auf der benachbarten Mokuti Lodge wartet bereits unsere Piper für den Weiterflug in das 226 NM entfernte Windhoek. Wie geplant heben wir um 9.30 Uhr unter VFR (Flug nach Sichtflugregeln) ab. Da sich trotz 28 Grad noch keine Thermik aufgebaut hat, wähle ich eine Flughöhe von circa 700 Metern (2000 Fuß) über Grund. So können wir die schöne Landschaft unter uns genießen. Vor ein paar Jahren bin ich schon einmal über Nordnamibia geflogen, weshalb ich Arnim darauf vorbereite, dass es schnell karg, staubig und felsig wird. Zu meinem Erstaunen tritt aber nichts dergleichen ein.
Aufgrund der Regenfälle im Dezember und Anfang Januar hat sich dieser Teil Namibias in eine blühende Landschaft verwandelt. Alles ist von sattem Grün überzogen und von gelben und roten Farbtupfen unterbrochen. Was für ein Anblick. Namibia, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Aber keine Angst, wir schauen nicht die ganze Zeit aus dem Fenster und haben nicht auf Autopilot geschalten. Das mache ich dann doch lieber selbst. Arnim und ich genießen jede Sekunde. Hier und da liegt auch eine kleine Farm unter uns. Schätzungsweise sind sie 5.000 bis 8.000 Hektar groß.
Nach einiger Zeit erreichen wir die gigantische Abrissplatte des Waterbergs. Mit 2.200 Metern ist dieser massive Tafelberg die höchste Erhebung der Region. Bekannt ist der Ort durch die gleichnamige Schlacht am Waterberg von 1904. Die Herero kämpften damals gegen die deutschen Kolonialtruppen und unterlagen.
Als wir das Kohmas-Hochland erreichen, melden wir uns beim Internationalen Flughafen Windhoek mit der Bitte, zum Stadtflughafen Eros fliegen zu dürfen. Der Lotse erteilt uns sofort eine Freigabe und verabschiedet sich auf Deutsch mit „Schöne Reise durch Namibia“. Ich denke an meinen Heimatflughafen Siegerland: Klaus, Gunnar, Volker, Karl-Heinz und Gunnar Nr.2. Wie oft hat man mich dort mit den Worten „Willkommen Zuhause“ empfangen. Wie es ihnen wohl gerade geht …? Aus Richtung Norden kommend setzten wir über der Hauptstadt Namibias zum Landeanflug an. Mit Landeklappe und acht Knoten Gegenwind in Landerichtung 19, d.h. Ausrichtung in 190 Grad, genießen wir den Anflug über die 350.000 Einwohner zählende Stadt.
Ganz in der Nähe des Towers, auf dem Stellplatz für die Cheyenne, empfängt uns winkend mein Freund Oliver. Er hat sich hier ein Flugsafari-Unternehmen aufgebaut. Ich schwenke die deutsche Fahne aus dem Seitenfenster unserer Piper. Es ist ein herzlicher Empfang.
Beim Tanken (68 Eurocent/Liter) und Bezahlen der Flug-, Lande- und Abstellgebühr erleben wir dann eine Überraschung. Für drei Tage zahlen wir 320 Namibische Dollar, ungefähr 30 Euro. Ich frage mich, ob ich richtig gehört habe? „Ja“, sagt Oliver. Das sind reelle Preise. Als nächstes machen wir uns auf den Weg ins Safari Court Hotel. Es macht einen guten Eindruck und dank Olivers guter Beziehungen bekommen wir Freiübernachtungen.
Beim Abendessen in Joes Bierhaus erzählt uns Oliver, 44 Jahre alt und gebürtiger Hesse, dass er im Jahr 2000 zum ersten Mal nach Namibia kam. Er war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und fand sie in der Gründung seines eigenen Unternehmens. Seitdem organisiert er Flugsafaris quer durch Namibia, Botswana, Sambia und Südafrika. Die Pilotenlizenz (CPL) hat er in Südafrika erworben.
Er fliegt seine Cessna 210 selbst und ist damit für seine Kunden nicht nur Pilot, sondern auch Reiseführer. Meist hat er vier Gäste pro Safari an Bord. Seine Kenntnisse zu Land, Leuten, Flora und Fauna sind enorm. Arnim und ich sind gefesselt von seinen Erzählungen. Er erzählt davon, dass die deutschen Schutztruppen nach der Kapitulation Anfang des 20. Jahrhunderts alle Waffen und möglicherweise auch Diamanten im Otjikotosee versenkt haben sollen. Niemand weiß, wie tief der See im Norden Namibias wirklich ist. Damals haben deutsche Truppen die Herero in die Wüste getrieben, die meisten sind dabei verdurstet. Ein grausiges Kapitel der Geschichte. Oliver erzählt weiter von Wüstenelefanten, den Himba, einem der letzten Naturvölker unserer Erde, aber auch von der Arbeitslosigkeit (über 35 Prozent). Namibia ist politisch gesehen noch jung. Erst seit 1990 ist das Land in die Unabhängigkeit entlassen. Dann tauschen wir drei Piloten allerlei Fliegergeschichten aus und der Abend wird lang.
25. Januar 2010
Tag zwei in Windhoek beginnt mit der Flugplanung für unseren großen Trip nac
h Südafrika und Botswana. Wir fahren wieder zum Flughafen im Vorort Eros und lassen uns von den Towermitarbeitern sehr umfangreich informieren. Im Anschluss besuchen wir einen Markt in Windhoek. Hier sehen wir die Himba-Frauen, wie sie halbnackt Souvenirs verkaufen. Ihre Haut ist mit Ziegenfett rot gefärbt. Die Himba leben noch wie vor Tausend Jahren in Kaokoveld, einer Region im Nordwesten Namibias.
Auf dem Streifzug durch die Stadt begegnen uns überall deutsche Namen wie „Talweg“, „Schulstraße“, „Bahnhofstraße“, „Apotheke“, „Kindergarten“ oder „Turnhalle“. Nur die „Kaiser Wilhelm Straße“ heißt jetzt „Independence Street“.
Mittlerweile konnte ich mir aus Deutschland wieder Bargeld zukommen lassen, denn wir haben ja noch einen weiten Weg bis nach Zentralafrika vor uns. Bestimmt wird auch hier keine Kreditkarte akzeptiert. Den letzten Abend verbringen wir mit Oliver in seinem Lieblingsrestaurant in der Innenstadt.
Für den kommenden Morgen ist der Start um 8.30 Uhr (7.30 Uhr deutscher Zeit) geplant. Es wird wieder eine weite Strecke. Wir fliegen dann bei VFR (Flug nach Sichtflugregeln) gut 1000 Meter über dem Boden. Später werden unter uns die atemberaubenden Dünen von Sossusvlei liegen und die legendäre Skelettküste. Vorbei an der Stadt Lüderitz geht es weiter zum Fish River Canyon, dem zweitgrößten Canyon der Erde und über ein Hochplateau (9000 Fuß) nach Südafrika. Etwa fünf Stunden dauert der Flug nach Kapstadt.
Die schönsten Bilder zu den einzelnen FLY & HELP Etappen habe ich in unserer Bildergalerie hinterlegt!
![]() |
![]() |




