Kangerlussuaq (Grönland), Tag 173
Es knackt und knirscht im Inneren des Gletschers
02.11.2010
Moschusochsen und Husky-Schlittenhunde in der Eiswüste Grönlands
„Brich keine Brücken hinter dir ab, du wirst überrascht sein, wie oft du denselben Fluss überqueren musst.“ (Unbekannt)
Das kleine Örtchen Kangerlussuaq verfügt neben einem Flugplatz und einem Hotel auch über einen Seehafen, der nur während der Sommermonate genutzt werden kann. Eine Straßenverbindung zu anderen grönländischen Siedlungen existiert nicht. Der nächste Ort liegt schlappe 170 Kilometer weit entfernt und ist in den Wintermonaten nur per Hundeschlitten oder auf einem motorisierten Gefährt zu erreichen. Bekannt ist a
uch, dass ein großer deutscher Autokonzern in der Umgebung von Kangerlussaq ein Testgelände errichtet hat. Geschützt vor neugierigen Blicken wurden hier schon viele neue Modelle unter Extrembedingungen testet.
Minus 19 Grad zeigt das Thermometer heute an. Wir stärken uns mit einem kräftigen Frühstück im Flughafenrestaurant und bereiten unseren Trip zum Inlandeisgletscher vor. Über alte Kontakte besorgt Arnim ein Fahrzeug samt Fahrer, denn man sollte sich hier nie allein ohne Ortskundige auf den Weg machen. Über extrem unbefestigte Wege geht es rund 35 Kilometer landeinwärts an den Fuß der Eisfläche. Am Straßenrand sehen wir die Überreste eines
zertrümmerten Flugzeuges. Die Geschichte dazu: Während eines Schneesturms vor drei Jahren sind an einem Tag drei Flugzeuge abgestürzt. Der Strom am Flughafen war ausgefallen und es kam keine Funknavigation mehr zustande. Zum Glück konnten sich alle Piloten per Schleudersitz retten und wurden rechtzeitig gefunden.
Nach fast zwei Stunden Fahrt türmt sich vor uns die gewaltige Abbruchkante des Russells-Gletscher auf. Wir steigen aus und lauschen gespannt, denn tief aus dem Eis ist immer wieder ein Knacken und Knirschen zu vernehmen. Das Eis arbeitet. Bis zu 100 Meter soll sich die Eismasse pro Jahr bewegen. In respektvollem Abstand lassen wir dieses einzigartige Naturwunder auf uns wirken. Ich ringe nach Worten, um das Schauspiel zu beschreiben. Arnim hatte zwar vorher schon viel davon erzählt, aber diese Dimensionen hatte ich so nicht erwartet. Die So
nne strahlt grell und lässt die Eiskristalle funkeln. Unser Fahrer berichtet, dass pro Jahr einige hundert Meter Eis von der Kante in die Tiefe stürzen. In der Vergangenheit sollen auch Menschen vom abbrechenden Eis erschlagen worden sein.
Nach kurzer Zeit nehmen wir bei Eiseskälte die Fahrt durch das Arctic-Desert wieder auf. Im Vorbeifahren sehe ich Moschusochsen. Wir stoppen an einer Husky-Hundestation und schauen uns die Jungtiere an. Über Jahrtausende hinweg waren Hundeschlitten das wichtigste Fortbewegungsmittel der Inuit. Heute kommen auch Motorschlitten zum Einsatz.
Der Tag neigt sich langsam dem Ende zu. Tief hängt die Sonne und taucht alles in ein warmes Licht. Das Eis schimmert grünlich.
Morgen fliegen wir 700 Kilometer wei
t an die Ostküste Grönlands nach Kulusuk. Die Landung für diesen Tankstopp wird heikel, denn die 1.200 Meter lange Start- und Landebahn ist nicht aus Asphalt, sondern setzt sich aus einem Sand-, Schotter- und Vulkanaschegemisch zusammen. Vor Ort planen wir eine Fahrt mit dem Boot, um ganz nah an die Eisberge heranzukommen. Anschließend geht es gleich weiter in die isländische Hauptstadt Reykjavik.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur fünften Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
![]() |
![]() |
|
![]() |
![]() |
|
![]() |
![]() |








