Acapulco (Mexiko), Tag 117
Die todesmutigen Felsenspringer von La Quebrada
29.07.2010
Carlos, der redselige Taxifahrer
„Oft nach einem Tag, oft schon nach einer Stunde belächelst du den Schmerz und fühlst nicht mehr die Wunde.“ (Friedrich Rückert)
Schon in der Vorbereitung auf die
vierte Etappe sind wir auf Warnungen des Auswärtigen Amtes vor kriminellen Übergriffen aufmerksam geworden. Neben Korruption in den Reihen von Polizei und Justiz, hat Mexiko vor allem mit der Drogenkriminalität zu kämpfen. Es gilt als Transitland für den Drogenhandel von Süd- und Zentralamerika in die USA. Reisende sollten vor allem in alltäglichen Situationen wachsam sein, um nicht Opfer von Überfällen und Gewalt zu werden. Wir müssen wachsam und vorsichtig sein. Doch bislang zeigt sich Mexiko von seiner schönsten Seite.
Morgens um 9 Uhr sind es schon tropische 30 Gr
ad. Beim Frühstück komme ich mit dem Hotelangestellten Petro ins Gespräch, der schon seit 30 Jahren hier arbeitet. Er erzählt mir viel über die Menschen und das Leben in Mexiko. Er schlägt vor, dass wir einen Ausflug ins Umland unternehmen sollten.
Unser Aufenthaltsort Acapulco liegt an der Pazifikküste rund 300 Kilometer südwestlich von Mexiko-Stadt und wurde vor 500 Jahre auf einem schmalen Streifen Land gegründet. Hohe Berge umgeben die halbrunde Bucht von Norden und Osten her, das Meer schillert azurblau. Etwa ein Viertel der rund 700.000 Bewohner sollen keine Möglichkeit haben, sich mit Wasser oder Strom zu versorgen. Knapp über zehn Prozent der Menschen sind Analphabeten. In der rasant wachsenden Stadt ist die Armut allgegenwärtig.
Bisher habe ich kaum ausländische Touristen gesehen. Der feine Sandstrand wird von
Einheimischen aus dem Landesinneren bevölkert. Bis zu 16 Kilometer lang sind die Strände. Unser einfaches Hotel Playa Suite befindet sich direkt am Hauptstrand, dem Playa Icacos. Die Wellen sind teilweise fünf Meter hoch und das Schwimmen im Meer wird zu einem Abenteuer. Jessina und ich wagen uns in den 30 Grad warmen Pazifik, müssen aber sehr aufpassen, dass uns die Strömung nicht den Boden unter den Füßen wegr eißt. Die Wellen scheinen immer höher zu werden und so verlassen wir nach 15 Minuten sicherheitshalber das Meer.
Zu den Felsenspringern, den Clavadistas, fahren wir mit Carlos. Wir haben ihn als Fahrer samt Wagen für fünf Stunden zum Preis von 70 Dollar engagiert. Die mutigen Männer an den La Quebrada Klippen sind weltbekannt und ein Magnet für Schaulustige – sowohl vom Land, als auch von kleinen Booten vor der Küste. Pünktlich um 13 Uhr springen sie aus etwa 35 Metern Höhe in die Tiefe. Immer dann, wenn die Wellen des Pazifik an die Felsen branden. Für einen Dollar riskieren sie ihr Leben. Uns stockt der Atem. Einige Unfälle hat es in der Vergangenheit bei diesem halsbrecherischen Manöver schon gegeben.
Anschließend unternehmen wir eine ausgiebige Stadtrundfahrt – Carlos ist in seinem Element und redet und redet und ist dabei kaum zu bremsen. Er unterhält uns perfekt mit Anekdoten und Wissenswertem.
Persönlichkeiten wie Johnny Weissmüller, der erste Tarzan-Darsteller und auch John Wayne lebten in Acapulco. Die Stadt hat ihre besten Jahre hinter sich, sagt Carlos. Vor vielen Jahrzehnten ging der internationale Jetset hier ein und aus. Heute ist davon kaum etwas übrig: Doch geblieben ist die einmalige Lage. Mit Blick auf die beleuchtete Bucht von Acapulco endet unser Tag in einem typisch mexikanischen Restaurant, gelegen auf einer Anhöhe über den Dächern der Metropole. Morgen fahren wir mit Carlos ins Hinterland, um zu sehen wie die Menschen in den Dörfern leben.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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