Cusco (Peru)/Santiago de Chile (Chile), Tag 130 & 131
Die Höhenkrankheit hält mich auf Trab
12.08.2010
Zunächst keine Startfreigabe - aber dann folgt ein atemberaubender Flug über die Atacama-Wüste
„Wenn du mit den Tieren sprichst, lernst du sie kennen. Wenn du nicht mit ihnen sprichst, lernst du sie nicht kennen. Was du nicht kennst, davor fürchtest du dich. Was du fürchtest zerstörst du.“ (Chief Dan George, Häuptling des Salish-Indianerstammes)
Tag 130, 11. August 2010
Die ganze Nacht kämpfe ich mit den Auswirkungen der Höhenkrankheit. Mir geht es richtig schlecht und ich komme nicht zur Ruhe. Die Mitarbeiter im Hotel sind sehr bemüht und ich erhalte noch einmal eine Dosis reinen Sauerstoff. Für einen kurzen Moment geht es mir besser.
Am Vormittag besucht uns die Parlamentarierin Hilaria im Sonesta Hotel in Begleitung dreier Künstler, die die jahrhundertealten Musikinstrumente ihrer Heimat spielen können. Wir lauschen den fremden Klängen und schauen uns ihre Instrumente genau an. Sie bestehen zum Teil aus Hölzern, Knochen und Muscheln. Der Höhepunkt der Vorführung ist erreicht, als sie das weltbekannte peruanische Lied „El Condor Pasa“ vortragen. Hilarias Ziel ist es, allen Schulkindern Musikinstrumente zur Verfügung zu stellen, damit sie von klein auf musizieren und das alte Musikgut erhalten bleibt. Wir werden in jedem Fall in Kontakt bleiben und so ist die Verabschiedung herzlich.
Den Rest des Tages verkrieche ich mich wieder auf dem Hotelzimmer und liege im Bett. Ich bin schlapp, von Durchfällen geplagt und noch immer ist keine Besserung in Sicht. Langsam frage ich mich, wie ich den morgigen Sieben-Stunden-Flug nach Santiago de Chile überstehen soll.
Cusco (SPZO) – 13° 31′ 6″ S, 71° 58′ 41″ W
Iquique (SCDA) - 20° 13′ 0″ S, 70° 10′ 0″ W
Santiago de Chile (SCEL) – 33° 27′ 0″ S, 70° 40′ 0″ W
Distanz: 1.350 NM
Flugzeit: 7 Stunden
Tag 131, 12. August 2010
Schon um 7.30 Uhr wartet Jose vor dem Hotel und bringt uns zum Flughafen. Die Abfertigungsprozedur ist dieses Mal zäh und frustrierend. Gegen 10 Uhr stehen wir mit laufenden Motoren an der Startbahn und werden ans Gate zurückgerufen. Der Grund: In Lima hat man vergessen uns eine Position der Flugabfertigung abzurechnen, was nun in Cusco nachgeholt werden muss. Es geht um wenige Dollar, die uns jetzt richtig Zeit kosten, dabei haben wir heute rund 2.500 Flugkilometer zu bewältigen. Um 11 Uhr ist dann endlich alles erledigt und wir bekommen grünes Licht. Der Flug führt uns über die Anden Richtung Süden – es soll einer der beeindruckendsten bisher werden.
Im Funkverkehr kurz nach dem Start hört uns Marco Valdman, ein deutscher Pilot der für LAN-Peru fliegt. Er nimmt Kontakt auf und wir plaudern auf der Sonderfrequenz 123,45. Wie sich später herausstellt, kennen Arnim und Marco sich persönlich. Auch sonst ist die Stimmung an Bord prima. Jessina hat uns Brötchen geschmiert, für Getränke gesorgt und verbreitet gute Laune.
Die 6.000 Meter hohen schneebedeckten Berge der Anden ziehen vorüber und wir überfliegen die Atacama-Wüste – ein berauschendes Farbenspiel der Natur. Es folgen ein kurzer Tankstopp in Iquique (Chile) und weitere drei Stunden Flugabenteuer. Links blicken wir auf den Titicacasee, der 15 Mal größer ist als der Bodensee und auf einer Höhe von 3.810 Meter liegt.
Kurz vor der Ankunft in Santiago de Chile geht die Sonne unter. Wir sehen den höchsten Berg Lateinamerikas, den auf der argentinischen Seite liegenden Aconcagua, in leuchtend orangenes Licht getaucht. Einfach gigantisch! Schon oft konnte ich in meiner Radiosendung „Mein Abenteuer“ Gäste begrüßen, die mir voller Begeisterung von diesem besonderen Ort erzählt haben. Jetzt kann ich sie noch viel besser verstehen.
Die chilenischen Anden sind einer der höchsten Gebirgszüge der Welt, mit einer Vielzahl an Gipfeln, die über 6.000 Meter in die Höhe ragen. So sehen wir bald den höchsten Berg Chiles und gleichzeitig auch den höchsten Vulkan der Welt, den Ojos del Salado (6.893 Meter). Ein berauschendes Spektakel und purer Genuss: Links ziehen nur so die Vulkane vorüber und rechts blicken wir auf die unendlichen Weiten des Ozeans.
Chile erstreckt sich über 4.200 Kilometer in Nord-Süd-Richtung entlang der Anden und des Pazifik. In der Breite dehnt sich das Land aber durchschnittlich nur etwa 180 Kilometer weit aus. Die engste Stelle beträgt nur 90 Kilometer, die breiteste zirka 440 Kilometer. Würde man die Abmaße Chiles vergleichshalber auf Europa und Afrika übertragen, so würde sich von Nord nach Süd eine Distanz von der Mitte Dänemarks bis in die Sahara ergeben.
Es ist schon dunkel, als wir gegen 19 Uhr in Santiago de Chile landen. Wir wohnen im schönen und zentral gelegenen Grand Hyatt. Auch hier haben wir Unterstützung bei der Unterkunft bekommen. Mein Dank geht an Marion Wulfs, Mitarbeiterin von TCC-Network GmbH aus Büdingen und Sandra Leidig, die uns in Zusammenarbeit mit Akorn Chile, einer Incomingagentur, kostenfrei Zimmer zur Verfügung gestellt haben.
Sofort nach Ankunft im Hotel zieht es mich ins Bett. Ich muss mich dringend weiter auskurieren und neue Kräfte sammeln.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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