Acapulco (Mexiko)/Guatemala City (Guatemala) , Tag 118 & 119
Aug in Aug mit einem Krokodil
31.07.2010
Ankunft in Guatemala, eine der gefährlichsten Städte der Welt
„
Wer etwas außergewöhnliches erleben will, muss eine außergewöhnliche Situation suchen.“ (Sergius Golowin)
Acapulco (MMAA) – 16° 51′ 6″ N, 99° 54′ 35″ W
Guatemala City (MGGT) – 14° 37′ 54″ N, 90° 31′ 25″ W
Distanz: 539 NM
Flugzeit: 2 Stunden 40 Minuten
Tag 118, 30. Juli 2010
Frühmorgens holt uns Carlos zur Fahrt ins mexikanische Hinterland ab. Während wir auf der Landstraße gut durchgeschaukelt werden, erzählt er uns aus seinem Leben. Carlos arbeitet sieben Tage die Woche, um seine fünfköpfige Familie zu ernähren und das bei einem Durchschnittslohn von circa fünf Euro pro Tag. Allein für Wasser und Strom fallen alle zwei Monate 50 Euro an, die verdient sein wollen.
Die Fahrt führt uns 80 Kilometer landeinwärts nach Coyuca de Benítez, einer Kleinstadt im
Bundesstaat Guerrero, im südwestlichen Mexiko. Es geht vorbei an riesigen Kokosnussplantagen und Mangofarmen. Aufgrund des dichten Verkehrs braucht Carlos fast zwei Stunden für die Strecke. Auf dem Dorfplatz angekommen, sehen wir Hunderte von Frauen, die sich hier versammelt haben, um Geld von der Stadtverwaltung entgegen zu nehmen. Sie verwenden es zum Beispiel für den Kauf von Schulmaterialien für ihre Kinder. Zudem ist der Markt voll von Gemüse-, Fisch- und Fleischständen. Aus einer kleinen Dorfkirche am Rande strömen Gläubige. In mitten der Mexikaner fallen wir durch unserer Körpergröße auf, wie Carlos schmunzelnd bemerkt. Viele seiner Landsleute sind kaum größer als 1,60 Meter. Carlos Vorfahren stammen aus Europa: Sein Großvater aus Frankreich, die Großmutter aus Irland, die Mutter ist Amerikanerin und der Vater ein Mexikaner. Dieser internationale Mix hat dazu geführt, dass er gut Englisch spricht, was uns die Verständigung erheblich erleichtert.
Um uns zu stärken, kehren wir zwischendurch in einer Bäckerei ein und alle Angestellten sind ganz aufgeregt und wollen mit uns reden. Jessina dolmetscht was das Zeug hält.
Im Anschluss führt uns Carlos in einen Mangrovenpark, der über eine rund einen Kilometer lange, klapprige Hängebrücke zu erreichen i
st. Sie besteht aus Kokosnussbaumholz und schwebt gut 20 Meter über den Mangroven. Am Ende der Brücke sehen wir schon die Einfahrt zur Farm und wie Carlos berichtet, werden wir hier auch über vier Meter lange Krokodile zu sehen bekommen. Doch zuerst müssen wir den Angriff einer wildgewordenen Gans überstehen. Sie faucht bösartig und greift uns ohne ersichtlichen Grund an. Wir flüchten in Richtung einer kleinen Wärterhü tte, wo sich ein zahmes Wildschein niedergelassen hat, das sich beherzt von Arnim kraulen lässt.
Nachdem wir uns mit dem Wärter Jesus bekannt gemacht haben, laufen wir zu einem großen Gehege, in dem riesige Krokodile unterge bracht sind. Der Wärter nimmt Jessina und Arnim mit hinter die Absperrung und lässt die beiden so richtig nah an die Tiere. Sie können sie berühren und die spitzen Zähne befühlen. Mir ist nicht ganz wohl dabei, obscho n Jesus die ganze Zeit beteuert, dass alles vollkommen ungefährlich sei. Was bin ich froh, als beide raus aus dem Gehege sin
d. Und als ob das noch nicht Abenteuer genug ist, lässt sich Arnim eine vier Meter lange Boa um den Hals legen. Mir scheint, das Tier ist heute nicht so gut gelaunt, weshalb ich mich mit dem Halten eines kleinen Baby-Krokodils begnüge.
Spätnachmittags treten wir die Heimreise nach Acapulco an und sind komplett fasziniert von diesem Ausflug. Abends brandet der Pazifik laut gurgelnd an die Küste und wir genießen noch einmal das über 30 Grad warme Wasser.
Tag 119, 31. Juli 2010
Heute heißt es Abschied nehmen von Acapulco. Wir wollen weiter ziehen nach Guatemala City, in rund 612 Meilen Entfernung (etwa 1.000 Kilometer). Ich habe mich wirklich wohl gefühlt in Mexiko und werde die Menschen hier in guter Erinnerung behalten. Die Abfertigung geht rasch voran und kurz nach dem Start erlaubt uns der Lotse einen tiefen Überflug über Acapulco mit einer 360-Grad-Kurve. Einfach ein Traum, über dieser schönen Bucht zu kreisen.
Wir steigen auf 15.000 Fuß, denn im Süden Mexikos und im Norden Guatemalas liegen bis zu 4.000 Meter hohe Berge. Zudem ist der nördliche Landesteil großflächig von tropischem Regenwald bedeckt. Das Flugwetter ist prima, doch etwa 30 Minuten vor der Landung bauen sich gigantische Gewitterwolken auf. Das und die Lage des Flughafens in fast 5.000 Metern Höhe machen die Landung anspruchsvoll. Zuerst führt der Anflug in Richtung einiger hoher Berge, gefolgt von einer 180-Grad Kurve, bevor wir steil sinken und Guatemala City anfliegen. Der Platz liegt auf einer Anhöhe, unterhalb derer die Favela, das Armenviertel der Stadt liegt.
Auch hier geht die Abwicklung rasch voran. Der Handlingagent bekommt 50 Dollar bar auf die Hand und wir tanken günstigen Sprit (1 Liter Jet-A-1 für 0,50 Euro-Cent).
Guatemala City zählt zu einer der gefährlichsten Städte der Welt. Durchschnittlich alle 40 Minuten soll ein Verbrechen geschehen. Mit dem Taxi geht’s zum Hotel Barcelo, das wir vorab günstig übers Internet gebucht haben (50 Euro pro Zimmer inklusive Frühstück). Schon bei der Ankunft weisen uns die Hotelangestellten eindrücklich darauf hin, dass wir sehr aufpassen sollen. Vor zwei Wochen sei ein Gast unweit des Hotels wegen ein paar Dollar überfallen und erschossen worden. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken.
Von meinem Hotelzimmer blicke ich direkt auf einen riesigen, noch aktiven Vulkan. Ich freue mich schon auf den Tag morgen, denn zuerst unternehmen wir eine Stadtrundfahrt und machen uns dann auf den Weg nach Antigua. Die Stadt soll eine der schönsten Mittelamerikas sein.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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