Quito (Ecuador)/Lima (Peru)/Cusco (Peru), Tag 127 & 128
Auf Augenhöhe mit den 7.000ern
08.08.2010
Heiratsantrag für Jessina
„Sei nicht bekümmert
. Schicksalsschläge werden auch die Klügsten und Besten der Menschheit ereilen. Der Tod wird jeden treffen und immer u nerwartet.“ (Weisheit der Indianer, Lateinamerika)
Quito (SEQU) – 0° 13′ 7″ S, 78° 30′ 35″ W
Lima (SPIM) – 12° 2′ 6″ S, 77° 1′ 7″ W
Distanz: 810 NM
Flugzeit: 4 Stunden
Tag 127, 8. August 2010
In Quito erleben wir heute Morgen die schnellste Abfertigung seit Beginn unserer Weltumrundung: Vom Erreichen des Flugplatzes bis zum Start der Motoren vergehen nur 17 Minuten. Unschlagbar!
Schnell steigen wir auf 18.000 Fuß. Unter uns liegen der über 5.800 Meter hohe Cotopaxi und der mehr als 6.300 Meter hohe Chimborazo. Das Wetter ist traumhaft, so dass wir einen klaren Blick auf die Anden haben, deren Gipfel immer weiter empor ragen. Die 7.000er-Marke ist erreicht, höher als wir selbst fliegen. Alles ist unglaublich imposant und beeindruckt mich sehr. Wenig später sehen wir kleine Dörfer auf gut 5.000 Meter Höhe, von denen aus sich steile Bergpässe hinunter in die Täler schlängeln. Nach rund zwei Stunden ist die Pazifikküste erreicht: rechts blicke ich auf das weite Meer und links auf die schneebedeckten Berge.
Nach knapp vier Stunden setzen wir zur Landung auf Lima an. Die peruanische Hauptstadt empfängt uns mit grauem Dunst, die Sicht ist schlecht, da Seenebel schwer über der Metropole liegt. Gleich nach der Abfertigung treffen wir auf Carlos, einen 62-jährigen Reiseleiter mit guten Deutschkenntnissen. Er zeigt uns die sechs Millionen Einwohner zählende Stadt mit viel Witz und guter Laune.
Im 16. Jahrhundert kamen die Spanier nach Lima. Die kolonialen Bauten zeugen noch heute von der Geschichte. Viele Häuser spiegeln den Glanz vergangener Zeiten wieder wie zum Beispiel das Haus Aliaga. Es wurde über dem Göttertempel des Kaziquen Taulichusco errichtet und ist prächtig anzusehen. Die Gegenwart Limas sah bis vor 15 Jahren noch relativ düster aus. Carlos erzählt, dass Menschen auf dem zentralen Platz der Stadt ausgeraubt wurden und auch Morde
sollen keine Seltenheit gewesen sein. Mittlerweile sei die Kriminalität stark zurückgegangen. Nachwievor müsse man sich jedoch vor Kleinkriminellen und Blitzentführungen in Acht nehmen.
Wir staunen über die schönen Kirchen wie die Iglesia San Francisco, die monumentalen Plätze und all die Bauwerke mit ihren riesigen jahrhundertealten Holzbalkonen. Zu unserer Überraschung können wir vor dem Präsidentenpalast einer Parade mit über 100 Musikern beiwohnen. Vor einem Publikum aus tausenden von Menschen spielen sie unter anderem „Alte Kameraden“ und ich rufe „Viva alemania, viva Peru“, woraufhin die Leute um mich herum lachen und mir freudig zunicken. Es ist ein glücklicher Moment. Die Menschen strahlen, sind stolz und lebensfroh. Liebespaare umarmen sich und überall empfängt uns eine fast überbordende Farbenpracht. Ich bin hin und weg von diesem Land, diesem Kontinent.
Am Abend treffen wir zuerst Diana Spehn und Ursula Krahmer von der Reiseagentur South American Travel (SAT) in unserem schönen Sonesta Hotel. Über SAT haben sie uns den kostenfreien Hotelaufenthalt für die gesamte Zeit in Peru ermöglicht – wofür wir sehr dankbar sind. Seit Jahren arbeitet die Agentur erfolgreich mit Berge & Meer (B&M) zusammen. Christina Höfer von B&M hat freundlicherweise den Kontakt für uns hergestellt. Von Diana und Ursula erfahren wir bei einem Kaffee viel über den Ausbau des Tourismus in Peru.
Gegen 20 Uhr gesellt sich auch Hilaria Supa Huaman zu uns. Sie ist indigener Abstammung und kommt aus der Nähe von Cusco. Hilaria ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten Perus und ich fühle mich geehrt, dass sie sich Zeit für ein Gespräch genommen hat. Eine starke, mutige und beeindruckende Frau. Über unseren gemeinsamen Bekannten Dr. Heiko Beyer, Produzent der FLY & HELP-Multivisionshow und Lateinamerikaexperte, sind wir in Kontakt gekommen. Sie trägt eine traditionelle Tracht, ein buntes Tuch ist um die Schulter geschlungen und schwarze geflochtene Zöpfe kommen unter ihrem Hut hervor. Ursula, Diana und Jessina übersetzen eifrig für Arnim und mich. Wir erfahren, dass Hilaria leider nie Lesen und Schreiben gelernt hat. Trotzdem hat sie heute einen Sitz im Parlament und setzt sich sehr für die Belange der Bildung ein. Sie berichtet ausführlich über das Aussterben ihres Dialektes, über die Zwangssterilisation der Frauen, über die Ausbeutung der Natur und die Armut ihres Volkes.
In drei Tagen werden wir Hilaria in Cusco wiedertreffen. Dann sollen wir auch traditionelle Musik zu hören bekommen und mehr zu alten Bräuchen und Riten erfahren.
Die Verabschiedung von allen ist herzlich. Wir haben Freunde gewonnen und viel gelernt.
Lima (SPIM) – 12° 2′ 6″ S, 77° 1′ 7″ W
Cusco (SPZO) – 13° 31′ 6″ S, 71° 58′ 41″ W
Distanz: 324 NM
Flugzeit: 1,5 Stunden
Tag 128, 9. August 2010
Am Frühstückstisch ist die Begegnung mit Hilaria das bestimmende Gesprächsthema. Wir alle haben wohl gestern Nacht noch lange wach gelegen, fasziniert von ihrer Erscheinung und ihren Geschichten. Um 8 Uhr holt uns Carlos für die Fahrt zum Flughafen ab. Das Handling geht auch hier schnell von der Hand und meiner Tochter Jessina fliegen währenddessen erneut die Herzen der Flughafenmitarbeiter zu. Schon wieder ein Heiratsantrag – ich sollte wohl langsam aufpassen. Gut gelaunt starten wir überpünktlich gen Südwesten und müssen zügig auf 23.000 Fuß steigen, da die Berge 21.000 Fuß hoch sind, umgerechnet etwa 7.000 Meter. Auf dem Weg nach Cusco liegen die schneebedecken Gipfel der Anden unter uns.
Das Landeanflugverfahren auf Cusco ist wirklich sehr gefährlich. Immer wieder höre ich Jessina hinter uns rufen „Oh nein, oh nein“. Wir müssen rasch aus 23.000 Fuß absinken und immer wieder in Schluchten eindrehen. Die Tragflächen der Piper Cheyenne sind nur wenige Meter von den Bergen entfernt. Arnim gibt mir in Sekundenschnelle Richtungsanweisungen und ich bin so konzentriert wie noch nie zuvor. Mit steilen Rechts- und Linkskurven geht es von einer Schlucht in die Nächste über Berggipfel hinweg.
Endlich liegt Cusco vor uns. Die Luft ist glasklar. Ich reduzierte den Speed, setze die Landeklappen, das Fahrwerk fährt aus und ich setzte punktgenau auf. Jessina klatscht und ist sichtlich heilfroh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Ich kann es noch gar nicht realisieren und brauche einige Minuten für mich. Das Atmen fällt
mir schwer, denn wir sind von Meersspiegelhöhe in Lima nun auf 3.400 Meter Höhe angelangt.
Von der Inkastadt Cusco geht es morgen nach Machu Picchu. Seit 30 Jahren trage ich diesen Wunsch in mir einmal dort zu sein. Schon um fünf Uhr müssen wir aufstehen. Es wird mit Sicherheit ein weiterer spannender Tag für uns.
Soeben ist auch Kameramann Andreas Meißner von n-tv im Hotel angekommen. 24 Stunden Flug liegen hinter ihm. Die nächsten 14 Tage reisen wir gemeinsam durch Lateinamerika.
Alle Bilder des Blogs habe ich für Sie zusätzlich im Album zur vierten Etappe in der
FLY
&
HELP-Bildergalerie hinterlegt.
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